Sogar Cinderella würden die Augen raus fallen

Die Woche bis zum Termin ging schnell vorbei. Ich hatte meine Trauzeugin und einen guten Freund gebeten vor dem Brautmodengeschäft auf mich zu warten. Natürlich war Stau und obwohl ich es von der Arbeit aus nicht weit hatte musste ich mich beeilen. Wir gingen rein und wurden auch gleich begrüßte, es war die nette Dame mit der ich telefoniert hatte. Wir setzten uns erst einmal und sie bot uns ein Getränk an. Dann setzte sie sich mir gegenüber um erst einmal über meine Wünsche und Vorstellungen zu sprechen. Sie sagte auch was möglich sei und was aufgrund der kurzen Zeit nicht mehr im Rahmen der Möglichkeiten lag. Dann durften wir alle schauen was ich probieren sollte und was nicht.

Ich hatte ein Bild im Kopf wie ich mir mein Kleid vorstellte, aber so wie die Kleider da hingen konnte ich es mir einfach nicht vorstellen. Sie sagte auch, dass man probieren muss und dann nach und nach merkt in welche Richtung es geht. Sie zeigte uns unter anderem ein Kleid aus der neuen Kollektion, es war sogar in meiner Größe. Ein Berg von Tüll schaute mich an und ich dachte mir nur um Gottes Willen, viel zu viel Tüll. Aber meine Trauzeugin bestand darauf es anzuprobieren. Ich fragte die Verkäuferin, was sie denn von einer Schleppe hielt und sagte ihr, dass wir den ganzen Tag draußen sein würden. Sie antwortete „Wenn Ihr Kleid am Abend nicht schmutzig ist, dann haben Sie etwas falsch gemacht“ Sie lächelte. Und ich lächelte auch.

Die ersten Kleider waren nicht schlecht, aber ich hatte wieder nicht dieses bestimmte Gefühl. Dann kam der Haufen von Tüll. Als sie das Kleid hinten schloss saß es wie angegossen. Und zu meinem Erstaunen war es bequem. Ich war sehr gespannt. Ich ging raus vor den Spiegel und stellte mich auf den Hocker. Es war einfach unglaublich. Ich hatte ein Wahnsinns – Dekolleté, die komplette Korsage glitzerte und funkelte, der ganze Tüll formte das Kleid zu einem Prinzessinnen- Kleid wie ich es auf so vielen Bildern gesehen hatte. Ich war hin und weg. Meinen ersten Gedanken hätte ich nicht unbedingt laut aussprechen sollen, aber in der Euphorie rutsche es mir raus „Ich habe riesen Tüten“. Die Verkäuferin schmunzelte. Sie machte mir verständlich, dass sie uns einen Moment allein ließ um das Ganze wirken zu lassen. Ich drehte mich um und sah in die mit Tränen gefüllten Augen meiner Trauzeugin und meines Freundes. Da war es, dieses Gefühl von dem ich dachte, dass ich es nie haben würde. Ich fühlte mich wunderschön und wünschte er könnte es sehen. Ich wollte es nie wieder ausziehen.

Die Verkäuferin kam wieder und half mir noch ein anderes Kleid zu probieren. Aber das war es einfach nicht, auch bei dem nächsten. Und wir waren uns alle einig, dieses oder keins. Und so zog ich es noch einmal an. Und da war es wieder dieses Gefühl als würden Feen um mich herum fliegen und mich zum Altar begleiten.

Doch so sicher ich mir auch war, ich hatte aus meinem Fehler gelernt und so beschloss ich trotzdem eine Nacht drüber zu schlafen. Ich habe wundervoll geschlafen und hatte nur noch das Kleid im Kopf. Egal was ich mir auch ansah, dieses eine ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Und so fuhr ich nach der Arbeit wieder hin und machte die Papiere fertig.

 

 

 

Ein paar Wochen später schauten wir nach passenden Schuhen. Nachdem wir so gut wie jeden Laden in der komplette Altmarkt Galerie durch hatten, beschlossen wir es für diesen Tag sein zu lassen. Wir gingen zum Chinesen, um uns erstmal zu stärken. Neben dem Restaurant gab es noch einen Schuhladen. Reno. Wir erhofften uns nichts, wollten aber zumindest auch dort noch einmal schauen. Als wir auch dort nicht fündig wurden kam eine nette Verkäuferin. Wir erklärten wonach wir suchten und sie gab mir ein Paar cremefarbene Schuhe. Leider gefielen mir die Schuhe überhaupt nicht. Plötzlich kam sie aus der hintersten Ecke des Ladens mit einem Karton wieder. Ich öffnete ihn und war begeistert. Die Schuhe sahen so süß und zierlich aus, waren nach vorn offen mit einem kleinen Absatz und mit Spitze verarbeitet. Wie Cinderella zog ich sie an. Sie passten. Ich lief eine Runde und konnte mein Glück kaum fassen. Sie passten und waren zudem auch noch bequem. Der Preis wäre mir völlig egal gewesen, aber selbst dieser war mehr als perfekt. Ich hatte also meine Schuhe gefunden.

 

 

Zur Anprobe, präsentierte ich Stolz meine neuen Schuhe, selbst die Verkäuferin war hin und weg. Alles passte einfach perfekt. Auch von der Länge des Kleides musste nichts weggenommen werden und so gab es nur ein paar Kleinigkeiten die noch angepasst werden mussten. Meine Trauzeugin suchte noch einen passenden Schleier und dann noch ein kleines Täschchen. Unterwäsche und ein Strumpfband ließ ich auch gleich mit einpacken.

Und dann eine Woche vor der Hochzeit konnte ich es endlich mit nach Hause nehmen. Es war endlich soweit, ich hatte mich auf alles eingelassen und freute mich alle umzuhauen. Schließlich trage ich so gut wie nie Kleider und mit so einem pompösen Hochzeitskleid würde definitiv keiner rechnen.

 

Die Ruhe vor dem Sturm

Ich muss sagen, im Nachhinein würden wir natürlich vieles anders machen. Und eine Hochzeit auszurichten erfordert Teamwork und Zusammenhalt. Es ist manchmal dann doch eine arge Zerreißprobe für die Beziehung. Wir konnten also nachvollziehen, dass hier ein Miteinander bei vielen Paaren endet. Dennoch finde ich, haben wir das Ganze gut gemeistert und uns nicht gegenseitig um die Ecke gebracht. Es gab aber tatsächlich den einen oder anderen Moment, da hätte ich die Hochzeit am liebsten abgeblasen. Besonders der Gedanke an Las Vegas war oft sehr verlockend. 😉

Die schwersten Dinge waren tatsächlich die Gästeliste gefolgt von Essen und Getränken. Nun wissen wir, dass wir uns viel zu viel Mühe gegeben haben. Wir wollten für jeden etwas Tolles da haben. Am Ende haben alle das Gleiche getrunken und viele Wunschgetränke wurden nicht angerührt. Die Torte war ein Versprechen an uns selbst, denn irgendwann hatte ich aus Spaß gesagt, „wenn wir mal heiraten, dann muss es eine Mario Torte sein“.

Alles in allem waren wir die  ganze Zeit über Entspannt. Selbst als es drei Tage vor dem großen Tag los ging mit dekorieren und aufbauen war bei uns beiden nichts von Nervosität zu spüren. Wir fragten uns natürlich ob uns das etwas sagen sollte. Ob es uns nicht so wichtig war? Nein, es war einfach nur alles gut durchdacht, dass es nichts zur Beunruhigung gab und was sollte das auch bringen. Und so saßen wir an unseren ersten Urlaubstag, einen sonnigen Mittwoch, auf einer Bank unseres Festgeländes und aßen in aller Ruhe Frühstück.

Auch die nächsten Tage verliefen herrlich entspannt. Es machte Spaß zu dekorieren und alles fertig zu machen für unseren großen Tag. Ich denke solang man Dinge selbst in die Hand nehmen kann ist man entspannt. Denn als ich immer mal daran dachte, dass wir uns dann auf so vieles verlassen müssen, dann wurde mir zumindest ab und an etwas mulmig.

Und siehe da, dann war es auch schon so weit. Bereits am Nachmittag zuvor verabschiedete ich mich von meinem zukünftigen Mann, denn ich hatte einiges vor. Zusammen mit meiner Freundin-Stylistin-Sängerin wollten wir mich komplett verwandeln. Ich hatte also meine Haarverlängerung und alles was wir für eine Probefrisur brauchten dabei. Fünf Stunden später war die Verwandlung komplett. Ich hatte hellbraune Haare und meine Verlängerung hatte einen sanften Ombre´-Übergang. Für Probefrisur und Make-up blieb keine Zeit mehr, aber da ich mir sicher war, dass sie das hinbekommen würde war das ok.

Ich fuhr zu meinen Schwiegereltern, bei denen ich mit meiner Trauzeugin zusammen die Nacht verbrachte. Da sie auch noch einige Dinge zu erledigen hatte, wurde es reichlich spät als sie dann da war. Es hat nicht lang gedauert bis wir eingeschlafen waren.

to be Continued…