Amsterdam 1.0 – das können wir besser

Posted on 19. September 2017 by Dany

Ein Freitagmorgen im April, wir nehmen unsere Plätze im Flugzeug ein. Reihe 13. Ich dachte immer, dass es die nicht mehr gibt. Aber bei manchen Airlines ist das wohl noch so. Ein ungutes Gefühl? Nein, tatsächlich überhaupt nicht. Nur Vorfreude. Glücklich weil ich so gern fliege und glücklich, wegen dem was uns erwartet. Das Flugzeug fährt zur Landebahn oder heißt das dann Abflugbahn? Ein paar Minuten später steigen wir auf in die Wolken. Von Berlin sehen wir nicht viel, da es an diesem Tag sehr bewölkt ist. Wir tauchen durch die erste Wolkendecke hindurch und sehen, wie hinter uns die Sonne aufgeht. Ein Meer aus Flauschewolken erstreckt sich um uns. Wunderschön. Ich fühle mich frei und unendlich glücklich. Dafür hat sich das frühe Aufstehen mitten in der Nacht gelohnt. Diese Aussicht entschädigt für einfach alles und die Strapazen beim Boarding sind vergessen. Der Flug dauert nicht lang und fühlt sich für uns nur wie ein paar Minuten an. Als wir in Amsterdam landen ist es noch trübe und grau.

Doch die Sonne lässt  nicht lang auf sich warten. Und so suchten wir uns eine Bank an einer Gracht und genossen den ersten Moment mitten in Amsterdam. Es war ruhig und wir hatten das Gefühl, das die Stadt gerade erst munter wird. Damit wir auch erstmal munter werden können wurde es Zeit für ein leckeres Frühstück. Auswahl wo man das bekommt gibt es in Amsterdam ja zu Hauf. Wir entschieden uns für ein kleines Pancake Cafe. Zum ersten Mal erkannte ich, wie praktisch doch so ein Stadtführer sein kann. Eigentlich bin ich eine absolute Null in Sachen Landkarten oder ähnliches zu lesen. Selbst in Dresden habe ich mich mit Karte in der Hand verlaufen. Gott sei Dank gibt es nun schon eine ganze Weile Google Maps. Das nützte uns hier aber leider nichts, da wir kein Internet hatten. Aber es war auch irgendwie witzig eine Stadt ganz altmodisch mit einer Karte in der Hand zu erkunden.

Der Weg zu unsere Mietwohnung, die wir über Airbnb gebucht hatten erschien uns dennoch als ewig. Das war allerdings meiner tollen Idee eine überdimensionale Handtasche als Handgepäck mitzunehmen geschuldet. Ich hätte doch zum kleinen Rollkoffer greifen sollen. Aus Fehlern lernt man. Es war auch für mich das erste Mal allein mit meiner Freundin und Handgepäck zu fliegen. Aber es war einfach ein kleines Abenteuer und ich hoffe, dass ich das irgendwann nochmal mit meinem Husband erleben und voll auskosten kann.

Angekommen in der Wohnung freuten wir uns natürlich, die Strapazen endlich los zu sein. Ankommen. Durchatmen. Umschauen. Das erste was uns auffiel, es war Arschkalt. Natürlich, es war ja auch April. Aber wie um Himmels Willen hat der Typ das solange ausgehalten ohne die Heizung anzumachen oder mindestens 5 Schichten an zu haben? Das blieb uns ein Rätsel. Damit wollten wir uns allerdings später beschäftigen, denn wir hatten ordentlich Kohldampf. Zu dem Zeitpunkt waren wir auch bereits über sechs Stunden in Amsterdam unterwegs. Im Supermarkt um die Ecke deckten wir uns mit einem kleinen Menü und Frühstück für den nächsten Tag ein.

Leider konnten wir das Wärmeproblem nicht lösen und der Mieter, der uns seine Wohnung zur Verfügung gestellt hatte war gerade auf dem Weg nach London. Statt zwei Betten, wie es in Airbnb angegeben war, gab es nur ein Doppelbett. Die Wohnung hatte ein riesen “Schaufenster” (anscheinend üblich für Amsterdam). Und der Herd funktionierte nicht, dafür aber zumindest der Backofen. Teller, Besteck usw. mussten wir erst aufwaschen. Der verkalkte und verdreckte Wasserkocher setzte dem Ganzen noch die Krone auf. Aber Not macht erfinderisch. Auch mit einer Kaffeemaschine kann man Wasser warm machen. Es wurde dunkel und wir saßen eingemummelt in sämtlichen Decken die da waren auf der Couch. Das war nicht was wir erwartet und worauf wir uns gefreut hatten. Weder der Teil der Stadt, der uns eher an den Stadtteil Dresden-Pieschen erinnerte, noch die Wohnung. Wir sahen uns an und wussten beide, dass das unsere einzige Nacht in Amsterdam sein würde. So buchten wir die Flüge um und versuchten noch einmal mit dem Mieter Kontakt aufzunehmen.

Die Nacht war wie zu erwarten alles andere als erholsam. Es war nach wie vor extrem kalt und neben der Terrassentür zu liegen machte es nicht besser. Ständig wachte ich auf, weil ich das Gefühl hatte da würde jemand draußen stehen. Ich war froh als am nächsten Morgen ein wenig Sonnenlicht den neuen Tag ankündigte. Frühstücken. Kultivieren. Nachricht hinterlassen. Packen. Wir schlossen die Tür hinter uns mit einer unglaublichen Erleichterung. Als wir uns anschauten wussten wir beide, dass es in dem Moment die richtige Entscheidung war. Ich musste schmunzeln. Und du auch.

Je näher wir dem Kern der Stadt kamen umso vertrauter kam uns alles vor. Haus an Haus reihte sich aneinander. Große Fenster und riesen Türen überall. Manche hatten nicht mal Gardienen und so erhaschten wir den einen oder anderen Blick ins Innere. An einer Kreuzung setzten wir uns auf eine Bank uns sahen dem bunten Treiben auf den Grachten und den Straßen zu. Dieser eine Moment war einfach perfekt. Alles war so schön bunt wie wir es schon von so vielen Bildern gesehen hatten. Und so kosteten wir den Moment bis zum Schluss aus. Auf den Weg zurück zum Bahnhof brauchten wir die Karte so gut wie gar nicht mehr. Wir schossen lustige Bilder und sammelten Erinnerungen. Immerhin waren wir in Amsterdam. Zu zweit in einer fremden Stadt. In einer Einkaufsmeile reihten sich Geschäfte und kleine Cafes aneinander. Immer wieder diese schmalen und oft auch schiefen Häuser. Auch die Menschen waren unheimlich freundlich und lächelten uns an.

Als wir dann im Zug Richtung Flughafen saßen und ich aus dem Fenster sah wusste ich, das war nicht unser letztes Mal. Wir werden uns wieder sehen. Und dann möchte ich mehr sehen. Ich möchte Schaukeln, in eine Bibliothek, das Anne Frank Haus von innen sehen, Geschichte aufsaugen. Ich möchte all die kleinen Läden sehen und mich den Gefühlen ganz hingeben. Bist du dabei?

2 Comments

  • Ossilinchen 19. September 2017 at 17:38

    Ohhh und deswegen würde ich nieeee in ne Wohnung von Fremden. Dann lieber irgendwie früh buchen und sparen bzw. Rabatte online nutzen. Da mag ich dann doch lieber in einem Hotel schlafen.

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    • Dany 19. September 2017 at 17:43

      So war ja eigentlich auch mein Plan. Spontan wenn es ein Angebot gibt mit Flug und Hotel, buchen, packen und los.

      Reply

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