Berufswahl oder Berufsqual

Posted on 14. Juli 2018 by Dany

Neben den Klassikern der Berufswahl wie Polizist, Feuerwehrmann und Krankenschwester gibt es mittlerweile für fast jeden einen passenden Beruf. Doch den gilt es erstmal zu finden. Wenn man nicht schon in der Schule zu 100 % weiß was man machen will und akribisch auf sein Ziel hinarbeitet, wird es schon schwieriger und die große Auswahl an Berufen kann schnell zur Qual werden.

Ich selbst hatte zwar hier und da in der Schulzeit ein paar fixe Ideen, aber richtig gefesselt hat mich nichts. In der neunten wäre ich bei dem immer wiederkehrenden Thema: „Und was willst du mal werden?“ am liebsten weg gerannt. Dass die Meisten wussten was sie wollten machte es nicht gerade besser. Auch meine Noten waren dementsprechend immer mittelmäßig. Da ich zwar Spaß am Lernen hatte, aber mir eben ein Ziel gefehlt hat auf das es sich lohnt hin zu arbeiten, habe ich vieles einfach auf mich zukommen lassen.

Irgendwann kamen dann die tollen Tests der Arbeitsagentur, die einem anhand eines Fragebogens beantworten konnten, was man denn nun werden sollte. Mein Ergebnis war – Maurer. Das könnte daran liegen, dass ich Fragen wie: willst du lieber im Freien oder Drinnen arbeiten? mit beides beantwortet habe. Oder bei der Frage: Willst du lieber mit Menschen oder allein arbeiten? Eben auch beides als die für mich passende Antwort gewählt habe. Die Antworten des restlichen Tests könnt Ihr jetzt vielleicht erahnen.

Früher war alles anders

Ja, ich weiß, was für ein abgedroschener Satz. Aber so ist es eben. Ich hatte das Gespräch so oft mit meiner Mutter, als ich ihr mein Leid geklagt habe, weil ich immer noch nicht wusste was ich nun machen will.

In der DDR brauchte sich niemand Gedanken machen. Das Leben, der Weg wurde von der Geburt bis hin zum Berufsleben durchgeplant. Jeder Schulabgänger konnte sicher sein einen Ausbildungsplatz und später auch einen Arbeitsplatz zu finden. Allerdings bestand in der DDR auch die Pflicht arbeiten zu gehen.

Meiner Mama standen zum Beispiel nach der Schule drei Berufe zur Auswahl. Das schränkt zwar ein, aber macht es zumindest leichter sich zu entscheiden.

Die Welt liegt uns zu Füßen

Bereits nach der Grundschulzeit treffen wir auf die erste einschlägige Entscheidung im Leben. Gymnasium, Realschule oder Hauptschule. Natürlich entscheiden auch die Noten mit, aber wenn die passen, stehen uns alle Türen offen.

Einige die damals direkt aufs Gymnasium gegangen sind, hat man entweder nie wiedergesehen oder sie sind nach einem Jahr zurückgekommen. Ich hatte mich für die goldene Mitte entschieden und bin den Realschulweg gegangen.

Nach der Schule gehen die Entscheidungen weiter. Abitur, Studieren oder erstmal ein Auslandsjahr? Auch berufsvorbereitende Maßnahmen werden angeboten oder ein Freies Soziales Jahr. Will oder muss man in eine andere Stadt ziehen? Vielleicht folgt darauf sogar schon die erste eigene Wohnung oder zumindest eine WG.

Manche die nach der Schule keine Ausbildung bekommen haben, haben sich einen Job gesucht. Und stehen nun auch ohne Ausbildung mit beiden Beinen im Leben. Da stellt sich mir tatsächlich die Frage ob es egal ob oder welche Ausbildung man gemacht hat.

Weiter geht es mit dem Thema Influencer und Blogger. Mittlerweile gibt es erste Fernstudienangebote was das Bloggen angeht. Auch Online, Network und Empfehlungs-Marketing ermöglicht ganz neue Wege und Möglichkeiten. Sie locken mit: Arbeiten wann und von wo du willst, sei dein eigener Boss usw. Aber dennoch steht auch hier wieder ein Produkt und somit eine Firma im Hintergrund für die derjenige arbeitet.

Warum ist es so schwierig, trotz das einem alle Türen offen stehen?

Weil es unterschiedliche Typen gibt:

  1. Diejenigen, die schon im Kindergarten oder spätestens in der Schule wissen was sie werden wollen. Darauf hinarbeiten, ihr Ziel erreichen und damit glücklich sind.
  2. Diejenigen, die absolut keinen Plan haben, was sie werden wollen. Alles auf sich zukommen lassen und durch Zufall in irgendeinem Beruf landen. Sei es, weil die Eltern den gleichen Beruf haben, oder eine Schule in der Nähe ist oder sich über Bekannte etwas ergibt. Ohne viel Mühe und Not klappt es und der Weg geht weiter.
  3. Diejenigen, die nicht wissen, was sie werden wollen und immer auf der Suche sind. Nach sich selbst und einem Job, den sie gern tun und der sie glücklich macht. Oft sind diese Menschen Zweifler, Grübler und fragen sich ständig, ob es das jetzt wirklich ist. Diese Typen haben oft einen langen Lebenslauf und viel ausprobiert.

Ich selbst zähle mich zu Typ 3. Und auch wenn ich vor ein paar Jahren alles andere als glücklich darüber war einfach nie richtig anzukommen, bin ich jetzt umso glücklicher über meine Erfahrungen die ich machen konnte. Ich konnte hinter so viele Kulissen schauen und entdecken wo meine Stärken und Schwächen liegen. Natürlich habe ich mich immer gefragt, warum ich mich so bemühen muss und warum anderen etwas oft einfach zuzufliegen scheint. Aber das liegt eben an meinen Zweifeln und der ständigen Frage, ob es da nicht noch etwas Anderes gibt. Die Suche nach der Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

Dann ist da noch die Sache mit der Gesellschaft

Die Erwartungshaltung unserer Gesellschaft hat sich zu einem „du bist, was du arbeitest“ entwickelt. Wenn du nicht arbeitest oder nichts „Vernünftiges“ machst, dann bist du auch nichts. Gespräche nehmen früher oder später immer das Thema Arbeit auf. Ein ich orientiere mich gerade um, ich bin zurzeit auf der Suche oder ich habe meinen Traumberuf noch nicht gefunden werden mit einem peinlichen Schweigen aufgenommen.

In jedem Fall bekommt man von allen Seiten vermittelt etwas aus sich machen zu müssen und das am besten schon gestern. Kein Wunder, denn auch Unternehmen mischen ordentlich mit: Gesucht wird eine junge Fachkraft mit mehrjähriger Berufserfahrung. Um Dramen und Ausfälle zu vermeiden sollten Sie schon verheiratet und ihre Kinder schon erwachsen sein…

Es ist dein Leben und dein Weg – du entscheidest

Doch egal, wie man sich auch entscheidet. Ob man auf seine Eltern hört, die aus früheren Wissen sagen, Hauptsache du lernst erstmal irgend etwas. Ob man auf die Freunde, Bekannte oder die Berufsberaterin hört oder am Ende auf sein Herz. Du bist es, der den Weg gehen muss. Und wenn du nach einer Weile merkst, dass es doch nicht die richtige Entscheidung war, dann sei nicht zu Stolz oder habe Angst es zuzugeben. Denn es gibt immer einen Weg, man muss ihn nur finden. Und manchmal, ergibt sich aus einer Erfahrung auch eine neue Chance. Beziehungen sind mittlerweile sehr wichtig geworden. Sei auch hier nicht zu Stolz diese zu nutzen. Denke nicht darüber nach, was andere denken. Es ist dein Leben und deine Chance!

Genauso sehe ich das auch mit finanziellen Hilfen von Eltern und Co. Wenn einem dank seiner Eltern ein Auslandsjahr ermöglicht wird, sollte man das annehmen und sich darüber freuen. Neider wird es immer und überall geben.

Bildquelle: Pixabay/AnnieSpratt

Nutzte jede Chance die dir geboten wird! 

19 Comments

  • Tanja L. 17. Juli 2018 at 18:23

    Mein Beruf hat sich erst entwickeln müssen, aber jetzt bin ich mehr als glücklich. Ein “roter Faden” im Lebenslauf ist heute zum Glück keine Voraussetzug mehr um erfolgreich zu sein, teilweise will man auch Leute, die über den Tellerrand hinausblicken. Insofern kann man ruhig aufhören, sich unter Druck zu setzen und ruhig mal etwas ausprobieren.

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    • Dany 19. Juli 2018 at 19:10

      Das ist wahr. Solange keine zu großen Lücken sind, ist es mittlerweile nicht mehr so schlimm.

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  • Katja 17. Juli 2018 at 14:02

    Früher wusste ich nicht wirklich, was ich mal werden will. Hab dann einfach eine Ausbildung gemacht, die sich mir geboten hat. Später wurde mir klarer, was ich studieren will. Inzwischen, nach mehreren Jahren Berufserfahrung, weiß ich, was mir Spaß macht, und was mein Ziel ist.

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  • Avaganza 17. Juli 2018 at 11:49

    Ich bin Personalberater und Psychologin und habe mit diesem Thema öfter zu tun! Es ist wirklich gar nicht so leicht in der heutigen Zeit aus dieser Fülle das richtige zu finden. Aber man kann sich hier viel Unterstützung holen.

    Schöner Beitrag!
    Liebe Grüße
    Verena

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    • Dany 17. Juli 2018 at 13:11

      Liebe Verena, es ist toll auch mal die Sicht einer Personalberaterin/Psychologin zu hören. Ich denke auch, wenn man unsicher ist sollte man sich Hilfe suchen. Neben der Arge gibt es da noch viele weitere qualifizierte Anlaufstellen. Praktika sind auch oft hilfreich um zu schauen ob es das Richtige sein könnte.

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  • Anja 17. Juli 2018 at 9:28

    Ich wusste nie so wirklich was ich werden wollte und habe dann einfachste Ausbildubgsstellen genommen die ich bekommen habe. Damals war es schon schwer, aber ich glaube, heute ist es teilweise noch schwieriger eine passende Stelle zu finden.

    Viele Grüße Anja

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    • Dany 17. Juli 2018 at 12:25

      Ich hoffe du hast trotzdem etwas gefunden, das dir Spaß macht. Es ist eben Fluch und Segen zugleich. Liebe Grüße Dany

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  • Julia 17. Juli 2018 at 8:29

    Ich glaube es ist heutzutage einfach nicht mehr so, dass man seinen Job wirklich bis zur Pension (Rente) ausübt, und das ist auch gut so. Auch ich beginne mich, nach über 10 Jahren Berufserfahrung umzuorientieren. Denn mir macht mein Job nicht mehr so viel Spaß und immerhin will ich doch daran Freude haben, oder?

    Dementsprechend sehe ich das alles nicht so eng wie die ältere Generation vielleicht.

    Zieh dein Ding durch, denn du musst glücklich sein, nicht die anderen.

    Alles Liebe,
    Julia
    https://www.missfinnland.at

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    • Dany 17. Juli 2018 at 12:27

      Da hast du absolut recht liebe Julia. Und so sehe ich das auch, wenn es keinen Spaß mehr macht und ich mich morgens aus dem Bett quälen muss, dann sollte ich mir Gedanken machen. Und dann würde ich meine Fühler wieder ausstrecken. Liebe Grüße Dany

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  • L❤ebe was ist 16. Juli 2018 at 14:38

    ein richtig toller Beitrag liebe Dany, der mich auch direkt über meine (fühere) Sitaution nachdenken lässt!
    ich wusste seit der oberstufe genau, was ich werden wollte … aber irgendwann, als ich schon mittendrin steckte, wurde ich auf einmal ganz unsicher! ich habe dann einfach pause gemacht und auch andere Interessen entwickelt …

    inzwischen habe ich mein Ziel wieder vor Augen und verfolge es weiter und das fühlt sich inzwischen richtig gut an 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

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    • Dany 17. Juli 2018 at 12:29

      Liebe Tina, das klingt super. Du hast deinen Weg gemacht und Erfahrungen gesammelt. Genau so sollte es sein. Wenn man merkt, dass ist es doch nicht oder sich unsicher wird, dann sollte man sich eine Pause gönnen um in sich zu gehen und sich dann wieder zu fokussieren. Liebst, Dany

      Reply
  • Blog-Pirat 16. Juli 2018 at 10:44

    In unserer Generation scheint dieses “Problem” immer häufiger aufzutreten… Oder ist es eine Chance? Wenn früher die Leute einen Job gelernt hatten waren sie darauf festgelegt, egal, ob sie damit glücklich waren oder nicht. Wir können entscheiden, und uns umentscheiden, neue Dinge lernen, quereinsteigen, etc. Das Alles ist gesellschaftlich anerkannter als früher. Was noch fehlt sind leider Schulen, Universitäten und natürlich das Arbeitsamt, die immer noch von alten Vorraussetzungen ausgehen. Entwicklung passiert hier zu langsam.
    Wer weiß schon mit 16 was er/*/sie sein Leben lang machen will!?

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    • Dany 17. Juli 2018 at 12:31

      Da hast du recht, es ist in erster Linie eine Chance, eine große sogar. Aber wir müssen es auch erstmal als das erkennen und nicht drüber nachdenken was andere denken und machen. Der eigene Weg ist wichtig.

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  • Bea 16. Juli 2018 at 9:56

    Hallo Dany,

    für mich war schon in der 6. Klasse klar, dass ich Chemikerin werden will. So konnte ich “daraufhin arbeiten”. Ich habe Praktika in dem Bereich gemacht und auch einen Platz fürs duale Studium bekommen. Ich bin super happy und bereue es nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass wenn man keine Ahnung hat, es echt schwer ist das passende zu finden.

    Liebe Grüße
    Bea

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    • Dany 17. Juli 2018 at 12:32

      Liebe Bea, ich beneide Menschen wie dich, denn mit diesem Ziel konntest du deinen Weg pflastern und alles vorbereiten. Super, dass du dein Ziel erreicht hast. Darauf kannst du sehr stolz sein. Liebe Grüße Dany

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  • Hannah 16. Juli 2018 at 9:14

    Toll geschrieben! Ich hatte irgendwie immer einen Plan. Für mich war es klar, dass ich studieren will. Für mich war das auch immer der einfachste Weg, es gibt einen Plan und es ist klar was kommt. Ob es das richtige war weiß ich nicht, auf jeden Faöll würde ich mit dem Wissen von heute wahrscheinlich etwas anderes studieren (ich habe bwl studiert). Ich glaube aber dass es an dem Überschuss an Informationen die es heute gibt echt schwer sein kann heraus zu finden was man eigentlich machen will.
    LG
    Hannah

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    • Dany 17. Juli 2018 at 12:36

      Liebe Hannah (übrigens ein sehr schöner Name) ich glaube, wenn ich heute nochmal die Chance und vor allem Zeit hätte würde ich auc studieren. Der Gedanke an ein Fernstudium ist immernoch im Hinterköpfen. Mal schauen. Aber ja, bei der masse ist es gar nicht so einfach immerhin will man damit dann auch etwas erreichen. Liebe Grüße

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  • Kay 15. Juli 2018 at 9:47

    Hach ein toller Beitrag! Ich wusste bis nach meiner Matura nicht, was ich machen wollte. Versuchte ein Studium auf Wunsch meiner Mutter, absolvierte ein freiwilliges soziales Jahr und habe schließlich meinen Traumberuf gefunden. Aber auch ich verändere mich und weiß, dass ich in dem Job nicht alt werde. Ich werde beruflich wohl nie ankommen, möchte immer neues ausprobieren und mich weiterentwickeln, aber natürlich schränkt mich der finanzielle Sicherheitsgedanke auch ein in dieser Hinsicht, denn das Leben finanziert sich ja schließlich nicht von selbst. Mir persönlich ist wichtig, dass ich das was ich tue gerne mache und wenn dies einmal nicht so ist, habe ich keine Angst davor, mich neu zu orientieren.

    Liebe Grüße, Kay.
    http://www.twistheadcats.com

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    • Dany 15. Juli 2018 at 16:53

      So geht es mir auch. Im Moment bin ich glücklich und zufrieden. Aber ich werde immer die Augen offen halten. Thema Sicherheit geb ich dir absolut recht, es spielt eben eine große Rolle. Danke für deinen Kommentar. Liebe Grüße Dany

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