Warum Mütter versagen

Der hoppe hoppe Reiter wurde von Raben gefressen

Posted on 30. August 2019 by Dany

Seitdem dieser kleine Mensch das Licht der Welt erblickt hat, nein, sogar schon vorher, eigentlich, seitdem ich erfahren habe, dass ich schwanger bin empfinde ich es als meine Aufgabe, dass es dem Wurm an nichts fehlt. Während dieser kleine Wurm in meinem Bauch herangewachsen ist, habe ich auf alles was schlecht für den Fötus sein könnte verzichtet. Ich habe darauf geachtet meinen Körper gesund zu ernähren und ihm die nötigen Nährstoffe zuzuführen, die er braucht, um den Wurm optimal zu versorgen. Ich habe versucht Stress zu vermeiden, mit meinem Bauch gesprochen und ihn gestreichelt in der Hoffnung, dass der kleine Wurm es spüren kann. Es sollte ihr an nichts fehlen. Das war schließlich meine Aufgabe.

Als nächstes war es meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass der Wurm das Licht der Welt erblicken kann. Es ist meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass der Wurm ausreichend Futter bekommt, dass ihre Windeln immer wieder frisch sind und auch die Klamotten. Es ist meine Aufgabe Wäsche zu waschen, zu saugen, mich um den Haushalt zu kümmern, mit dem Wurm zu spielen, vorzulesen und ihr neue Dinge zu zeigen. Es ist meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass sie viel und oft an der frischen Luft ist, in der Natur. Es ist mein Job, dass sie ausreichend Schlaf bekommt, wenn sie müde ist. Weint oder brüllt sie, ist es meine Aufgabe herauszufinden warum und dafür zu sorgen, dass sie keinen Grund mehr hat zu weinen oder zu schreien. Ich habe dafür zu sorgen, dass es ihr an nichts fehlt. Und mir. Nebenbei muss ich mich auch um mich selbst kümmern. Duschen, Haare waschen, frische Klamotten, Essen, Trinken und schlafen. Denn das ist schließlich meine Aufgabe. Dafür ist das Elternjahr da.

Aber wisst ihr was? ….

Ich habe versagt. Ich habe die Folsäuretabletten und Präparate nicht vertragen. Mit den Eisentabletten war es das Gleiche, egal in welcher Form, mein Körper hat es abgelehnt. Ich hatte vorzeitige Wehen, da ich im Büro keinen optimalen Arbeitsplatz hatte. Ich habe mich selbst gestresst, weil so vieles nicht so funktioniert hat, wie ich es mir erhofft hatte. Immer mit dem Gedanken, dass ich schwanger und nicht krank bin und das andere das doch auch hinbekommen haben. Die Geburt war eine Katastrophe, weil ich versagt habe. Weil ich keine Kraft mehr hatte. Die Anfangszeit war der Horror, Stillen eine Qual. Ich habe versagt. Immer und immer wieder.

STOP !!!!!!!!!!!!!!!!!

Mach nicht den gleichen Fehler wie ich und denke du hast versagt, nur weil etwas nicht funktioniert oder nicht so geklappt hat wie es vielleicht sollte. Wer bestimmt denn eigentlich wie es sein sollte, was richtig und was falsch ist? Wir glauben doch auch nur eine schlechte Mutter zu sein, weil es bei anderen immer so leicht aussieht. Aber fragt doch mal eine andere Mutter. Die meisten werden bestätigen, dass es auch für sie alles andere als leicht war und immer noch ist. Die meisten, wenn sie ehrlich sind werden mit einem Lächeln sagen „das kenn ich.“ Wichtig ist doch einzig und allein, dass es dir und deinem Wurm gut geht. Das dieser kleine Mensch gesund ist. Und vor allem, vergiss dich niemals dabei. Geht es dir nicht gut, geht es auch deinem Kind nicht gut.

 

Warum du zuerst an dich denken solltest

Stell dir folgende Situation vor. Du sitzt im Flugzeug. Es ruckelt und nach einer Notfalldurchsage des Flug-Kapitäns, fallen die Sauerstoffmasken auf die Köpfe herunter. Jeder Passagier hört es vor jedem Flug: „Erst sich selbst die Maske aufsetzen und dann erst den anderen helfen.“ Das hat auch seinen Grund. Denn wenn du nicht atmen kannst, kannst du auch niemand anderen helfen. Setzt du die Maske also nicht zuerst selbst auf, kannst du vielleicht einer Person helfen oder am Ende sogar gar keinem.

Und so ist es auch im Alltag. Erst wenn es dir gut geht, wenn du genug Kraft und Energie hast und selbst glücklich und zufrieden bist, kannst du anderen helfen. Eine Stütze sein. Ein offenes Ohr haben. Oder dich um dein Baby kümmern. Denn dann kannst du es voller Liebe tun.

Es wird immer Tage geben, an denen man auf dem Zahnfleisch kriecht und einfach nur irgendwie funktioniert. Aber das sollte kein Dauerzustand sein.

 

Lass dir helfen – auch eine Löwin kämpft nicht allein

Innerhalb meiner „Ich muss das alles schaffen“ Blase war ich ziemlich allein. Bis ich gemerkt habe, dass ich überhaupt nicht allein bin. Ich habe einen wundervollen Mann an meiner Seite, der mich schon während der Schwangerschaft super unterstützt hat. Er war und ist immer da, wenn ich ihn denn lasse. Irgendwann hat er angefangen sich zurück zu nehmen. Ich habe ihm nichts mehr zugetraut. Habe ihn keine eigenen Erfahrungen sammeln lassen. Denn ich hatte für mich einen Weg gefunden wie alles halbwegs funktionierte. Einen Rhythmus. Und er geht ja weiterhin arbeiten. Wir haben also beide unsere „Jobs.“ Mit dem Unterschied, dass er nach einer zwölf Stunden Schicht Feierabend hat. Und ich war die ganze Zeit der festen Überzeugung, dass er diesen auch genießen muss, um neue Kraft zu tanken, sich auszuruhen usw. Aber für mich gab es dadurch kaum eine Pause. Das hat einige Wochen funktioniert. Bis ich keine Kraft mehr hatte. Denn ein Baby durchläuft viele Phasen und kein Tag ist wie der andere. Während der kleinen Schläfchen am Tag habe ich mich um den Haushalt gekümmert und wenn noch Zeit war etwas gegessen, geduscht etc. Ich habe mich über jeden Tag gefreut, denn ich so überstanden und alles geschafft habe. Aufgaben die ich mir selbst auferlegt habe.

Eines Abends, nachdem ich die Kleine ins Bett gebracht, ihr vorgelesen und sie gestreichelt hatte bis sie eingeschlafen war, bin ich zusammengebrochen. Das Fass war übergelaufen. Es folgte eine Sprachnachricht unter Tränen und Schluchzen an meine Freundin. Kurz darauf ging es mir besser. Aber ich habe überlegt die Nachricht wieder zu löschen. Zum Glück habe ich das nicht. Denn so hatte sie die Chance mir den nötigen Arschtritt zu verpassen und nicht nur um Hilfe zu fragen, sondern sie vor allem auch anzunehmen. Denn, wie mein Mann auch immer wieder gesagt hat, wir haben uns zusammen für ein Kind entschieden. Also kümmern wir uns auch gemeinsam darum.

 

Und wie geht es mir jetzt?

Natürlich wird es immer wieder Momente oder Tage geben an denen ich trotz Hilfe kaputt und ausgelaugt bin. Aber ich schlucke es nicht mehr einfach runter. Ich rede darüber. Es gibt immer eine Schulter zum Anlehnen. Es fließen auch öfter mal Tränen, aber ich halte sie nicht mehr zurück. Denn sie reinigen und danach geht es mir immer besser. Vor und während der Erdbeerwoche bin ich meistens eh ein emotionales Frack, aber das ist eben so. Auch hier ist es besser das Beste aus der Zeit zu machen, anstatt sie nur zu überstehen. Ich höre auf meinen Körper und überlege was ich möchte und was mir hilft. Ich gebe Bescheid, sodass sich mein Mann darauf einstellen kann – oder wahlweise die Flucht ergreifen 😀

Und sonst? Nun ja, es bilden sich öfter kleine Sockenhäufchen. Geschirr steht rum und auch Müllsäcke finden nicht immer gleich ihren Weg in die Tonne. Die Bettdecke ist verwurschtelt, überall findet sich Kinderspielzeug, gesaugt werden könnte auch mal wieder, ABER das ist alles völlig ok, denn uns geht es gut. Mehr sogar. Wenn die Kleine nun schläft, lese ich, schreibe, schaue Fernsehen, lege die Füße hoch oder koche mir etwas Schönes. Denn aufräumen können wir dann zusammen oder während die Kleine ihren Spielteppich erkundet und die Tüte mit den Spielsachen zum dritten Mal am Tag ausräumt und dabei einen Mordspaß hat.

to be continued…

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