Hinter den Mauern

Posted on 8. März 2018 by Dany

Ein flüchtiger Blick aus mindestens 30 Meter Entfernung. Du bist mir aufgefallen. Du wirktest distanziert. So wie wir. Betrachten aus der Ferne. Vorsichtig. Extrovertiert. Nur nicht zu sehr auffallen. Das machen andere schon für uns. Und dennoch bist du auffallend. In deinem Wesen, deinem Aussehen und deiner Art.

Und dann eine Brieftaube. Lust auf ein Treffen? Die Frage hallte nach. Ich schicke die Taube zurück, mit meiner Antwort. Einige Zeit später. Verabredet. Ich wage es. Ein neuer Mensch. Eine neue Begegnung. Ich schaue mir Bilder an. Distanz. Und eine gewissen Arroganz. Aber keiner möchte in Schubladen gesteckt werden.

Da standst du nun und ich ging auf dich zu. So offen wie ich nur sein konnte. Denn ich bin eine Beobachterin. Aus der Ferne. In Sicherheit. Doch dieses Mal sollte es anders sein. Ich wollte es versuchen. Eine freundliche Umarmung. Und dann folgte ein Gespräch als würden wir uns schon Jahre kennen. Konnte das wirklich wahr sein? Zwei Seelenverwandte. Doch, da gab es etwas. Selbstsicherheit. Du wusstest was du wolltest und hast es dir genommen. Das hat mich beeindruckt.

Ich durfte hinter die Mauern schauen. Stand inmitten deines Schlosses. Umhüllt von dicken Mauern und Geschützen. Jederzeit bereit zum Abschuss. Das hat mir Angst gemacht. Ein bisschen. Aber nur dann, wenn ich nach Hause ging. Denn dann wurden die dicken Tore aus Stahl geschlossen. Kein Zurück mehr. Unerreichbar. Unnahbar.

Viele Brieftauben und auch mal eine Eule. Doch irgendwie warst das nicht du. Es war nicht deine Handschrift. Nicht die Gedanken die ich kannte und mochte. Die Tore verschlossen und du unnahbar. Und dann wieder ein Treffen. Hinter den Mauern. Alles vertraut und liebevoll. Warm und gemütlich.

Ich fühlte mich beschützt. Hinter den Mauern. Sicher und verstanden. Aber nur, solange das Tor offen stand. Nur solange du bei mir warst. Du hast mich beschützt wie einen Schatz. Keiner durfte an mich ran. Und auch nicht an dich. Du hast sie deine Macht spüren lassen. Hast kein Geheimnis daraus gemacht wer du bist. Und alle knieten nieder. Aus Angst oder war es doch Respekt. Nichts hätte dich jemals zu Fall bringen können. Doch auch du hast Wunden und hast sie mir offenbart. Um gleich darauf wieder unnahbar zu sein. Unerreichbar. Ein Schutz, Flucht. Viele Facetten.

Da stand ich nun wieder außerhalb der Mauern. Du hast mich angeschossen. Aber ich stand immer noch da. Wollte dir beweisen, dass ich stark bin. Das ich zu dir stehe. Das ich da bleibe. Nicht wegrenne. Doch irgendwann taten die Pfeile weh. Sie zwangen mich in die Knie. Verwundet. Enttäuscht. Unsicher. Komm her, nein geh weg. Schau her, aber schau nicht hin. Hör zu und sag etwas, aber sei still. Komm her zu mir, aber ich werde nicht da sein. Hör auf an das zu glauben und sieh dir die Tatsachen an. Hör auf an das zu glauben, was dir geholfen hat, denn es wird mir nicht helfen. Sei da, aber bitte geh weg.

Ich hab es versucht. Immer wieder. Es hat wehgetan, die Pfeile hast du wieder raus gezogen. Liebevoll und mit Hingabe. Aber die Narben bleiben. Vorsicht. Alles schreit danach. Alle warnen. Doch ich missachte die Schilder und die Hinweise. Denn ich kenne die andere Seite. Das Paradies hinter den Mauern. Die Wärme und Liebe. Aber es war schon zu spät. Brennende Pfeile. Ich bleibe stark. Doch irgendwann gehe ich. Bevor mein Körper verbrennt.

Noch einige Brieftauben kommen an. Jeder Brief eine andere Facette. Jedes Wort ein anderer Mensch. Irgendwann schickte ich die Tauben zurück, ohne eine Antwort. Denn die Briefe brannten wie Feuer auf meiner Haut. Es wurde ruhig. Und ich konnte mich wieder erholen. Und dann entdeckte ich sie. Einen Zettel an jeden Baum der zum Schloss führte. Zum Abschuss bereit. Kein Name, keine Beschreibung – nur ein durchgestrichenes Bild. Schluss, aus, vorbei. Doch was bleibt sind die schönen Erinnerungen, zumindest für mich.

24 Comments

  • Stadtkoenigin 29. April 2018 at 10:10

    Wow, ein toller Text! Sehr schöne Bild Sprache!
    Liebe Grüße
    Tina

    Reply
    • Dany 29. April 2018 at 15:07

      Tina, vielen lieben Dank ❤️

      Reply
  • Kay 29. April 2018 at 9:53

    Wow ich bin wieder mal total in deinem Text versunken. Wunderschön geschrieben und sehr gefühlvoll. Ich konnte mich gut in deine Geschichte hineinversetzen.

    Liebe Grüße, Kay.
    http://www.twistheadcats.com

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    • Dany 29. April 2018 at 15:06

      Danke Kay, das bedeutet mir die Welt. ❤️

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  • Joana 12. März 2018 at 21:30

    Der Text ist wirklich schön, du hast einen tollen Stil. In das Thema können sich wohl die meisten reinfühlen und dementsprechend bleiben deine Worte auch wirklich hängen, wow!

    Viele liebe Grüße,
    Joana

    http://www.wildicate.de

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    • Dany 14. März 2018 at 19:18

      Joana, vielen Dank <3 das geht runter wie Öl und gibt mir gerade so viel.

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  • Carry 10. März 2018 at 21:39

    Ich muss zugeben ich bin ein wenig sprachlos. Ein sehr toller Text bei dem ich richtig mitfühlen konnte. Ich war selnst schon einmal in einer ähnlichen Situation. Vielen Dank, dass du diese Zeilen mit uns geteilt hast 🙂

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    • Dany 12. März 2018 at 16:51

      Oh Carry, vielen Dank für deine Kommentar und das Mitfühlen. Das bedeutet mir sehr viel wenn ein Text ankommt und verstanden wird. <3

      Reply
  • Orange Diamond Blog 10. März 2018 at 20:28

    Schön geschrieben!
    Eine neue Begegnung ist immer wieder spannend! Deine Bildauswahl ist auch top!
    Liebe Grüße,
    Alex.

    Reply
    • Dany 12. März 2018 at 16:52

      Danke liebe Alex. <3

      Reply
  • Hellothanh 10. März 2018 at 20:24

    Ein sehr schöner Text von einer unerfüllten Liebe. Das können sicher viele Leser nachvollziehen. Ich denke, dass viele Menschen schon einmal so eine Mauer erlebt haben.

    Reply
    • Dany 12. März 2018 at 16:53

      Ja, das denke ich auch. Es geht zwar nicht direkt um Liebe aber um eine Beziehung. <3

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  • mamazeiten 10. März 2018 at 19:38

    Der Text ist wirklich schön geschrieben. Besonders das Ende gefällt mir sehr gut. Ich finde es treffend „an jedem Baum ein Zettel der zum Schloss führte. Zum Abschuss bereit“. Ich hoffe das ist keine persönliche Erfahrung aus jüngster Vergangenheit.

    Reply
    • Dany 12. März 2018 at 16:54

      Jede Begegnung und Erfahrung macht uns reicher. <3

      Reply
  • Steffi 10. März 2018 at 17:24

    Hey,

    wow … ein echt schöner Text der zum Nachdenken anregt… Ich finde du hast wirklich eine schöne Art zu schreiben. Würde gerne noch mehr davon lesen 🙂

    Lg
    Steffi

    Reply
    • Dany 12. März 2018 at 16:55

      Vielen Dank liebe Steffi, du bist herzlich eingeladen mehr zu lesen <3

      Reply
  • Verena Schulze 10. März 2018 at 14:51

    Hallo an diesem nasskalten Samstag,

    WOW! So ein wunderschöner Text! Du hast wirklich Talent!

    Ich wünsche Dir noch ein wunderschönes Wochenende!
    Liebe Grüße,
    Verena

    Reply
    • Dany 12. März 2018 at 16:56

      Vielen Dank Verena, dass zu lesen bedeutet mir so unglaublich viel. <3

      Reply
  • Katii 10. März 2018 at 14:09

    Sehr schöne, aber auch sehr treffende Worte… Das war definitiv kein leichter Text :/
    Ich wünsch dir jedenfalls alles alles Gute!!

    Alles Liebe, Katii – Süchtig nach…

    Reply
    • Dany 12. März 2018 at 16:57

      nein Katii, dass war es definitiv nicht. Aber ich liebe es Gefühle mit dem Schreiben zu verarbeiten. <3

      Reply
  • Jacqueline 10. März 2018 at 13:31

    Wow, das ist eine Geschichte!!!

    Danke Dir dafür, habe ich gerne gelesen!

    Hab einen schönen Samstag!

    xoxo
    Jacqueline

    Reply
    • Dany 12. März 2018 at 16:57

      Jacqueline <3 vielen Dank, dass ist so lieb von dir.

      Reply
  • L♥ebe was ist 10. März 2018 at 9:16

    ein sehr schön geschriebener Text, wenn er auch etwas traurig stimmt – aber sehr mitreißend!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com

    Reply
    • Dany 12. März 2018 at 16:58

      Ja, es scheint nicht immer die Sonne. Dennoch bin ich glücklich. Aber es tut gut Gedanken und Gefühle zu verarbeiten. <3

      Reply

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