Pfingstwochendende in Plötzky

Posted on 12. Februar 2017 by Dany

 

Mittlerweile haben wir uns vorgenommen jedes Jahr Pfingsten einen Kurzurlaub zu machen. Das muss zwar nicht immer viele Kilometer weit weg sein, aber mal etwas anderes zu sehen ist auch etwas Schönes.

Und so trafen wir uns am Freitag nach der Arbeit und verstauten unsere Sachen im Auto. Gepackt hatten wir schon am Abend vorher. Ich finde es immer sehr schwierig die richtigen Klamotten einzupacken, da man nicht wirklich weiß was einem erwartet, besonders was das Wetter betrifft. Dieses Mal würden wir nicht zelten, sondern die Nächte in einem Bungalow verbringen. Das ist praktisch, da man abschließen kann muss man sich keine Gedanken machen wer in der Nähe der Zelte bleibt.

Die Camping und Bungalowanlage Plötzky ist inmitten einer Seenlandschaft und umgeben von Wald. Fernab von der Stadt und allem, somit perfekt zum Entspannen. Gleich am ersten Abend gingen wir zusammen spazieren um die Umgebung zu erkunden. An einem See gab es einen wunderschönen Strand. Zum Baden war es allerdings zu kalt. Wir grillten zusammen, gingen zu Mittag in das Camp eigene Restaurant und verbrachten Zeit am See während Papa angelte.

Unser Bungalow war sehr schön. In der kleinen Küche richtete ich Salat und belegte Brötchen an. Alles was man benötigt war da. Und zusätzlich noch diverse Soßen und Kekse vom Vorgast. Es gab zwei Schlafräume im Bungalow. Eines mit Doppelstockbett und das andere in dem wir es uns gemütlich gemacht hatten mit Doppelbett. Die Matratzen hatten allerdings ihre besten Zeiten schon hinter sich. Irgendwie fühlte es sich an als würde man mit dem Kopf nach unten schlafen, dabei war es egal auf welcher Seite des Bettes. Das kleine Bad hatte ein WC, eine Dusche und ein kleines Fenster, also ebenfalls alles was man so braucht. Vor unserem Bungalow hatten wir sogar eine kleine Terrasse mit Tisch und Stühlen. 

Als wir an einem Abend mal wieder eine Runde laufen wollten, dämmerte es schon. Während wir durch den Wald gingen wurde es langsam dunkel. Irgendwann unterhielten wir uns über Wildschweine und wie aggressiv die sein können, besonders wenn sie Junge haben. Plötzlich raschelte es gewaltig im Busch neben uns. Dass wir erschrocken unsere Hände zusammen quetschten machte es nicht besser. Wir beschleunigten unsere Schritte und drehten uns erst in sicherer Entfernung um. Von weiten sah es aus wie ein Vogel der mit irgendeinem anderen Tier kämpfte. Wenn man sich allerdings gerade über aggressive Wildschweine unterhalten hat, ist man ganz froh, dass es nur ein Vogel war. Nun waren wir auf der anderen Seite des Waldes und hatten keine große Lust den selben Weg wieder zurück zu laufen. Die Straße entlang zu gehen wäre ein riesen Umweg. Also gingen wir die künstlich angelegten Dünen entlang. Irgendwann sahen wir ein paar Häuser, es schien wie eine kleine Siedlung im Wald. Wir entschieden uns durch zu laufen. Je weiter wir liefen, desto dunkler wurde es. Einige der Häuser waren beleuchtet, ab und an stand auch ein Auto in der Einfahrt. Die Häuser selbst sahen aus wie aus einer anderen Zeit und reichten vom Hexenhäusschen bis zur Minivilla. An sich war es also auch eher eine Ferienhäuseranlage. Kein Mensch war weit und breit zu sehen und trotzdem hatte ich das Gefühl, dass wir beobachtet werden. Ab und an ertönten komische Geräusche die sich dann im Wald verflüchtigten. Zu viele Filme hatte ich gesehen in denen diese Ferienhäuser-Anlage die perfekte Kulisse für einen Thriller gewesen wäre. Es hätte nur einer aus seinem Haus kommen und uns in seinen Keller schleppen müssen, denn auch der Handyempfang war so gut wie nicht vorhanden. Also, die besten Voraussetzungen.  Uns blieb nichts weiter übrig als so schnell wie möglich aus dem Wald raus zu kommen. Nach einer gefühlten Ewigkeit sahen wir aus der Ferne eine Wiese. Wir hatten es geschafft, auf dem Feldweg angekommen sahen wir auch die Ferienanlage – wir haben überlebt. 😀

Neben der Ferienanlage gab es eine kleine Ranch. An einem Nachmittag gingen wir rüber um wegen eines Ausritts zu fragen. Der Mann dem die Ranch gehörte war sehr nett und bot mir an am nächsten Tag vorbei zu kommen um mich mit seinem Jungpferd vertraut zu machen. Sie wäre wohl gerade erst eingeritten worden, aber ein kleines Mädchen in meiner Statur würde einmal die Woche vorbei kommen um auf ihr zu reiten. Er wollte gern testen ob sie auch andere Menschen zulässt.

Am nächsten Tag holte ich die Kleine aus ihrer Box, wir gingen in den Roundpan wo ich sie erst einmal rennen ließ. Etwas später nahm ich sie an die Longe. Der Besitzer meinte sie müsse immer erstmal etwas Dampf ablassen weil sie meistens lang steht. Nach einer Stunde brachte er dann Sattel und Zaumzeug. Sie ließ es nicht zu, sie stieg und ergriff immer wieder die Flucht. Er meinte, dass sie sonst nicht so reagieren würde. Er nahm das Pferd mit zu den Boxen um ihr dort Zaumzeug und Sattel aufzulegen.

Dann kam er wieder. Sie hatte sich etwas beruhigt, war aber trotzdem noch sehr nervös. Ich longierte sie noch ein paar Runden um ihr dann Stück für Stück näher zu kommen. Sie ließ alles zu, bis ich meine Hand in den Steigbügel legte und mein Gewicht in den Bügel drückte. Sie ging zurück. Immer wieder versuchte ich mich ihr anzunähern, aber es schien als wöllte sie es nicht. Sie kam immer wieder auf mich zu und lief mir hinterher, aber sobald ich den Steigbügel berührte versuchte sie auszuweichen. Dort hätte mir klar sein müssen, dass es nichts wird, dass sie es nicht zulässt. Als ich dem Mann mitteilen wollte, wie ich die Sache einschätzte meinte er sobald ich drauf sitze, würde sie sich beruhigen. Ohne länger darüber nachzudenken hievte er mich auf das Pferd.

Sie wurde wie zu erwarten noch unruhiger und fing an auszubrechen, ich dachte wenn ich ihr Freiraum gebe merkt sie, das es ok ist. Als sie jedoch mit Schwung um die Kurve rannte spürte ich, wie sich der Sattel löste und ich mit dem gesamten Westernsattel im Dreck landete.

Durch den Schwung brauchte ich erst einmal eine Weile bis ich wieder richtig da war. Alles drehe sich, überall war Dreck, in meinem Mund, in meinen Haaren, überall. Meine Schulter und mein Kopf taten höllisch weh. Mein Mann und der Besitzer kamen sofort angerannt und schauten ob alles ok ist. Ich ging mit ins Haus, wo mich seine Frau vom Dreck befreite und mir ein Glas Wasser gab. Als ich wieder zum Paddock kam konnte der Besitzer das Ganze immer noch nicht fassen. Er versuchte sich zu erklären, dass bei dem anderen Mädchen immer alles gut gewesen sei. Ich hatte nur eine Frage, ob das Pferd diesen Sattel von Anfang an hatte und ob er angepasst worden war. Darauf meinte er, dass sie vorher einen Dressursattel hatte und dieser der alte von dem anderen Pferd sei. Mehr Antworten brauchte ich nicht. Er bot mir an, dass ich später oder am nächsten Tag noch einmal vorbei kommen und das ältere Pferd reiten könnte. Ich bin nicht mehr hin gegangen. Erstens weil es unverantwortlich von dem Mann war und zur anderen Seite hatte mich die Situation sehr mitgenommen. Seit dem bin ich nicht mehr aufgestiegen. Und jetzt, jetzt habe ich Angst. Dabei habe ich einmal so geliebt, seit ich 11 Jahre alt war bin ich reiten gegangen. Und nun komme ich nicht mehr ran. Das Vertrauen ist weg.

Wir verbrachten dann noch einen schönen letzten Abend zusammen bevor es am nächsten Tag auch schon wieder nach Hause ging.

Nachdem ich mich untersuchen lassen habe, musste ich eine Woche lang eine Halskrause tragen. Meiner Schulter ist nichts weiter passiert und so ging es mir körperlich schnell wieder gut. Im Nachhinein tut mir das Pferd unheimlich leid. Ich hätte auf meinen Bauch, auf meinen Instinkt hören sollen und nicht auf einen Menschen der behauptet hat das Tier zu kennen.

 

Ich denke schon, dass ich irgendwann wieder aufsteigen werde, aber es wird eine ganze Menge Mut kosten.

 

2 Comments

  • Lisa 15. Februar 2017 at 14:02

    Mit Pferden kann ich leider nicht viel anfangen. Muss aber sagen, es sind unglaublich schöne, erhabene Tiere. Ich kann es gut nachvollziehen, dass du erst einmal auf`s Aufsteigen verzichtest.
    Abgefahrene Urlaubsgeschichten habe ich nicht, aber sich an Tiere nicht mehr herantrauen, kenne ich.
    ch wurde mal von einem Rottweiler gebissen und seitdem wechsle ich die Straßenseite, sobald ein zu verspielter, zu großer oder einfach zu wild rennender Hund zu sehen ist.
    Das ist jetzt schon 14 Jahre her, aber seitdem…
    Daher verstehe ich es gut, dass beim Aufsteigen eventuell der Sturz im Inneren wieder hochkommt.

    Lisa

    Reply
    • Dany 16. Februar 2017 at 19:32

      Ja, das sitzt dann erstmal. Man sagt eben auch nicht umsonst, dass man gleich wieder aufsteigen soll. War nur nicht wirklich möglich. Aber das mit den Hund kann ich auch verstehen.

      Reply

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Benachrichtigen Sie mich bei weiteren Kommentaren per E-Mail. Sie können sich auch ohne Kommentar anmelden.