Sandra – Die erste Zeit zu dritt, warum man nicht auf andere hören sollte

Posted on 27. Februar 2020 by Dany

Der zweite Teil von Sandras Geschichte. Nachdem sie erst von ihrer Schwangerschaft und Geburt erzählt hat, geht es nun um die erste Zeit zu dritt. Welche Probleme es gab und warum man eben doch lieber auf sein Bauchgefühl vertrauen sollte, erfährst du im Beitrag.


Jetzt fing die Phase an, in der man auf andere hört. Als „Erst-Mama“, die es nicht weiß, hält man sich daran, wie es sein soll. Auch wenn es keine Anleitungen in dem Sinne gibt, so gibt es dennoch gewisse Vorgaben an die man dann selbst festhält, weil man es eben nicht besser weiß.

Im Krankenhaus sollte die Kleine nachts unbedingt in ihrem eigenen kleinen Bettchen schlafen. So der Plan. Kaum war das Licht aus wurde sie wach und find an zu weinen. Weil wir uns nicht anders zu helfen wussten, haben wir das Licht wieder an gemacht und die ganze Nacht angelassen. Da das absolut keine Lösung war, hat sie die darauffolgenden Nächte mit bei mir im Bett geschlafen.

Endlich wurden wir entlassen und durften nach Hause. Endlich hatten wir Ruhe. Ich kann mich zwar echt nicht über das Krankenhaus beschweren, aber zu Hause hat man seine gewohnte Umgebung. Und vor allem kommt nicht jeden Morgen um sieben jemand rein und jagt einem eine Thrombosespritze ins Bein. So konnten wir unsere eigene Routine entwickeln.

Mein Mann war die ersten Wochen zu Hause und half mir mit Kind und Haushalt. Wir spielten uns langsam aufeinander ein und lernten uns kennen.

Ich habe versagt

Doch obwohl alles langsam zu funktionieren schien, durchlebte ich jeden Abend die Geburt noch einmal. Jeden Abend weinte ich und machte mir immer wieder Vorwürfe, warum mein Körper es nicht geschafft hatte die Kleine auf natürlichen Weg zur Welt zu bringen (ich hatte einen Kaiserschnitt). Immer wieder fragte ich mich, was gewesen wäre, wenn wir noch gewartet hätten… Alles tat weh, jede Bewegung, jedes Husten oder Lachen. Das stresste mich natürlich zusätzlich. Die Reaktionen auf meine Geburt waren unterschiedlich. Ganz wenige konnten sich in mich hineinversetzen und mich aufbauen. Viele konnten es nicht, aber hielten sich zurück irgendetwas zu sagen. Und das war ok so. Aber die schlimmste Reaktion war der Spruch: „Hauptsache ist doch, dass alle gesund sind“. Natürlich und ich bin froh, dass wir beide gesund und ohne großen Schaden davongekommen sind, aber meine Seele ist nicht so gut davongekommen.

Ich beschreibe mein Gefühl gern so: man trainiert für einen Marathon und gibt alles in den Vorbereitungen. Dann startet das Rennen. Man sieht schon die Zielgerade und plötzlich hält ein Auto neben dir an und man muss einsteigen. Im Ziel angekommen, darf man wieder aussteigen. Natürlich hat man das Ziel auch erreicht. Das Ergebnis ist das Gleiche, aber der Weg ist völlig anders als man es sich vorgenommen hat. Man hat das Gefühl versagt zu haben. Das multipliziert man mit den Schmerzen, die man danach hat. Man kann sich nicht so bewegen wie man möchte, wie man es gewohnt ist. Man fühlt sich einfach hilflos und als Versager.

Das einzige was mir geholfen hat ist reden, reden und reden und vor allem weinen. Und das mit meinem Mann. Ansonsten konnte mir keiner so richtig helfen, keiner hatte erlebt. Nur mein Mann konnte sich in die Situation hineinversetzen. Wir haben aufgeschrieben, was uns gestört hat, was uns gefehlt hat und alles was uns beschäftigt. Außerdem habe ich eine kleine Liste angefangen, was ich bei einer zweiten Schwangerschaft und Geburt anders machen möchte. Ich habe angefangen meine Kleine zu tragen, um mit ihr ständig im Körperkontakt zu sein. Aber auch um aktiv zu sein und nicht nur auf dem Sofa zu liegen. Dieser Prozess der Verarbeitung hat eine Weile gedauert, aber irgendwann wurde es besser und einfacher über die Geburt zu reden.

Aber auch jetzt, mehr als ein halbes Jahr später, gibt es noch Tage, an denen ich zurückdenke und weine und mir auch hin und wieder die Frage stelle, ob es nicht doch noch auf dem natürlichen Weg geklappt hätte.

Ich habe mich mit meiner Narbe beschäftigt und angefreundet. Am Anfang konnte ich sie nicht berühren oder anschauen. Jeden Abend hat sie mein Mann gepflegt. Aber nun sehe ich sie als eine schöne sichtbare Verbindung zu meiner Tochter.

Doch es wurde nicht einfacher

Ich habe mich zu viel an „Vorgaben“ gehalten oder halten wollen. Meine Hebamme meinte ich dürfte in der ersten Zeit nicht raus, kein Haushalt machen, keinen Einkauf erledigen. Ich sollte am besten einfach nur im Bett liegen. Ich fühlte mich immer schlechter, immer nutzloser. Natürlich hatte ich eine kleine Tochter, die ich versorgt und umsorgt habe, aber die ganze Zeit rumzusitzen, ist für mich noch nie etwas gewesen. Irgendwann zog ich den Schlussstrich, ich tat alles was ich wollte, solange es mir gut ging. Machte Spaziergänge, backte Kuchen und traf mich mit anderen Müttern. Und seitdem ging es mir wieder besser.

Im Laufe der Zeit kamen immer neue „Probleme“ hinzu. Wir legten sie angeblich viel zu spät ins Bett. Geschlafen hat sie meistens erst gegen 23 oder 0 Uhr.

Am besten wäre es, wenn sie gegen 18 oder 19 Uhr im Bett ist. Folge dieses Ratschlages war ein weinendes Kind, welches nicht schlafen wollte. Eine genervte Mama mit Rückenschmerzen vom stundelang im Bett liegen. Und letztendlich hat sie trotzdem erst gegen 0 Uhr in den Schlaf gefunden. Und der Weg dahin war nicht leicht- einschlafen, wach, weinen, spucken, einschlafen, clustern, usw. Selbst im Kinderwagen hatten wir keine Chance und auch Auto fahren brachte nichts, das Einzige was am Ende half war die Babytrage bzw. mein ein Tragetuch. Es folgten weitere Ratschläge. Wir sollten die Kleine regelmäßig in eine Schale legen, damit sie sich daran gewöhnen konnte. Die Folge: ein weinendes Kind und eine weinende Mama. Und geschlafen wurde trotzdem nur bei Mama.

Sie weinte abends viel und nahm keinen Schnuller. Sie würde den Tag abends so verarbeiten und wir sollen immer wieder einen Schnuller anbieten. Jeden Abend war ich fertig und weinte mir ihr. Und wenn mein Mann mal abends nicht da war, hatte ich schon ab Mittag Angst vor dem Abend.

Endlich ein Licht

Wir suchten uns eine Hebamme, die sich auf Schreikinder und „Problemfälle“ spezialisiert hat. Natürlich wussten wir, dass es weitaus schwierigere Kinder gab, aber ich konnte einfach nicht mehr so weiter machen. Ich weinte abends und nachts, manchmal kam mir der Gedanke, ob sie besser ohne mich dran wäre und wusste nicht mehr wie es weiter gehen sollte. Also musste ich einfach etwas tun und dachte mir schaden wird so ein Termin nicht.

Innerhalb von 3 Tagen hatte sich die Situation abends verbessert.

Wir haben Tipps bekommen, wie wir uns verhalten sollten, und warum sich die Kleine abends so verhält. Manchmal war ihr einfach nur zu warm. Wir werden zwar hin und wieder komisch angeschaut, weil sie abends keine Socken oder Hose an hat. Aber unsere Tochter ist glücklich. Außerdem sprach uns die Hebamme Mut zu, dass wir uns in Sachen Schnuller, Kinderwagen und Auto einfach keinen Stress machen sollen und die Zeit alles regelt.

Schnuller nimmt sie immer noch keinen, braucht sie aber auch nicht und ich bin manchmal auch froh darüber. Autofahren ist mit viel Beschäftigung möglich und mit 7 Monaten schläft sie nun regelmäßig auch im Kinderwagen ein.

Die größte Veränderung gab es beim zu Bett gehen. Wir haben sie einfach zu einem falschen Zeitpunkt ins Bett gebracht, sie war 18 bzw. 19 Uhr einfach noch nicht müde. Seitdem haben wir auf die Kleine gehört und nun hat es sich ihre Schlafenszeit auf 20 Uhr eingepegelt. Viele stutzen da immer noch, dafür schläft sie aber auch bis 8 oder 9 Uhr und was will man als Eltern mehr?

Rückblickend sind es keine Probleme der Kleinen gewesen, sondern die wir uns gemacht haben, weil wir so viel auf andere gehört haben. Das wichtigste ist auf sich und sein Kind zu hören, auch wenn es nicht immer den Vorgaben entspricht. Solange es dem Kind und den Eltern dabei gut geht, kann man alle anderen Ratschläge und „Vorgaben“ getrost ignorieren. Feste Regeln kommen früh genug.

Jetzt sind wir ein super eingespieltes Team. Natürlich gibt es immer wieder mal schwierige Phasen oder plötzlich wieder eine Veränderung, aber ansonsten sind wir froh, dass die Kleine unser Leben so bereichert und auch wenn es nicht immer die schönste Zeit war, die ganzen Probleme und schwierigen Situationen haben sich gelohnt.

 

 

 

 

 

3 Comments

  • Julia 1. März 2020 at 10:18

    Bei der Geburt unserer Kleinen kam im Nachhinein raus, das es besser gewesen wäre einen Kaiserschnitt zu machen. Sie musste danach beatmet werden und wir hatten viele Probleme weil es nicht schnell genug ging.

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  • Anne 1. März 2020 at 10:16

    Ich kann das alles so gut nachvollziehen. Besonders wenn man sich zu sehr einen Kopf macht und dann nicht weiter weiß, natürlich hört man dann auf andere. Aber meistens ist es tatsächlich besser für sich selbst einen Weg zu finden. Alles Gute für deine kleine Familie. Liebe Grüße Anne

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    • Dany 1. März 2020 at 10:19

      Liebe Anne, die Erfahrung haben wir auch gemacht. Natürlich braucht man das manchmal sich rückzuversichern, aber dennoch muss man seinen eigenen Weg finden.

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