Sandra – meine Schwangerschaft, Geburt und Probleme, die es hätte gar nicht geben dürfen

Posted on 14. Februar 2020 by Dany

Die erste Geschichte von Menschen für Menschen ist von Sandra. Sie erzählt über ihre Schwangerschaft und Geburt, über Probleme, die es hätte gar nicht geben dürfen.


Als erste möchte ich sagen, dass ich meine Schwangerschaft sehr genossen habe. Bis auf das Sodbrennen der Hölle bin ich von großen Wehwehchen verschont geblieben und konnte bis zum Schluss aktiv sein. Doch immer wieder kam es bei Terminen mit dem Frauenarzt zu Situationen, die uns die Freude nahmen. Zum Schluss weiß ich, dass es anscheinend ein kleiner Kampfkrümel war, der mit vielen Situationen gut zurechtgekommen ist und unbedingt zu uns wollte.

Ich hatte mir immer vorgestellt, dass mir die Frauenärztin nach Bestätigung der Schwangerschaft freudestrahlend gratuliert. Leider blieb das eine Wunschvorstellung. Stattdessen schaute sie während des Ultraschalls auf ihren Bildschirm und murmelte, dass man eine herzförmige Gebärmutter selten sieht. Mit dem Krümel war alles gut. Meinen Mutterpass wollte sie mir erst beim nächsten Termin ausstellen, mit der Bemerkung, das ja immer noch etwas passieren kann. Ich war damals in der 8. Woche. Gerade zum Anfang der Schwangerschaft macht man den Fehler und schaut bei Google alles nach. Da stand bei einer herzförmigen Gebärmutter nichts Gutes, unter anderem, dass das Fehlgeburtsrisiko erhöht ist. Meine Gedanken begannen sich zu häufen und zu überschlagen. Deshalb war ich froh, als der nächste Termin anstand und die kritische Zeit fast vorbei war (ich war in der 11. Woche). Doch dann, der nächste Dämpfer. Durch die erste Blutuntersuchung vermutet das Labor, dass ich eine Rötelninfektion am Anfang der Schwangerschaft hatte. Also musste noch einmal Blut abgenommen werden, um das zu bestätigen oder zu widerlegen. Ich wollte mich nicht weiter durch Google verunsichern lassen, also fragte ich meine Frauenärztin was das alles zu bedeuten hatte. Sie versuchte mich so wenig wie möglich zu beunruhigen, aber Fehlgeburten oder Behinderungen beim Kind wären nicht ausgeschlossen.

Der nächste Termin stand endlich an und damit auch die erleichternde Nachricht, ich hatte keine Röteln. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Warum die Blutwerte erhöht waren, konnte sich die Ärztin nicht erklären und ist auch nicht weiter darauf eingegangen.

Die Wochen vergingen und ich konnte die Schwangerschaft genießen, der Krümel entwickelte sich sehr gut und wuchs vorbildlich. Leider wurde mir der Stress auf Arbeit zu viel. ich hatte ständig ein Ziehen im Bauch und war müde. Alle Mitschwangeren die ich kannte, waren zu dem Zeitpunkt schon im Beschäftigungsverbot. Deshalb fragte ich beim nächsten Frauenarzttermin nach und erklärte die Situation auf Arbeit. Der nächste Dämpfer… die Ärztin meinte, sie könne mich nicht so einfach ins Beschäftigungsverbot schicken, sondern nur die Arbeitsstunden reduzieren. Damit musste ich mich erstmal zufriedengeben. Leider verbesserte sich die Arbeitssituation nicht, im Gegenteil. Ich musste die gleiche Arbeit innerhalb weniger Stunden schaffen. Deshalb bat ich beim nächsten Termin (ich war in der 30. Woche) erneut um ein BV. Ihre Reaktion: „Sie sind heute die 3. die das verlangt, ich kann sie nicht alle rausnehmen, dass müssen sie mit ihrem Arbeitgeber besprechen.“ Ich brach in Tränen aus, weil ich es ja versucht hatte und trotzdem keine Rücksicht auf mich genommen wurde. Zum Glück waren mein Mann und meine Mama bei diesem Termin dabei. Sie sprachen eindringlich auf die Ärztin ein und endlich war sie bereit mich von der Arbeit frei zu stellen. Wieder fiel mir ein Stein vom Herzen. Der ganze Stress, die Lasten der letzten Wochen hatten endlich ein Ende. Ich konnte meine Schwangerschaft wieder schmerzfrei genießen.

Das nächste „nervige“ war, dass wir immer noch nicht wussten, welches Geschlecht unser Krümel nun hatte. Die Nabelschnur lag immer zwischen den Beinen. Uns selbst störte das weniger, wir waren einfach nur froh, dass alles in Ordnung war und sich der Krümel gut entwickelte. Allerdings mussten wir uns immer wieder Sprüche von anderen anhören, dass wir es doch wissen müssten oder dass wir es wissen, aber für uns behalten wollen. Natürlich könnte uns das völlig egal sein, aber wenn das Thema immer wieder aufkommt, macht es einen irgendwann fertig.

Auf einmal bekam ich so heftige Schmerzen in der Hüfte, dass ich kaum noch laufen konnte. Die Hebamme in der Frauenarztpraxis meinte, dass käme davon, dass ich zwei ungleich lange Beine hätte. Es soll wohl häufiger vorkommen, dass in der Schwangerschaft ein Bein wächst. Eine nicht gerade hilfreiche Aussage. Zum Glück untersuchte mich meine eigene Hebamme und meinte, dass der Krümel auf einem Nerv liegt. Nun wusste ich wenigstens was los war. Als sich der Krümel gedreht hatte, waren die Schmerzen wieder so schnell weg, wie sie gekommen waren. Nebenbei fiel meiner Hebamme auf, dass der Chlamydien Test, der zu Beginn der Schwangerschaft gemacht wurde, positiv gewesen war. Als ich meine Frauenärztin darauf ansprach weiteten sich ihre Augen, denn sie hatte nichts davon gewusst. Sie rechtfertigte, dass es eine Systemumstellung in der Zeit gab, als der Test gemacht wurde. Ein weiterer Test wurde gemacht und als „eilig“ ans Labor geschickt. Vorsorglich gab mir die Ärztin ein Antibiotikum. Ich war nicht besonders begeistert währende meiner Schwangerschaft ein Antibiotika zu nehmen, allerdings wären die Folgen bei einer Chlamydien Infektion noch schlimmer gewesen. Drei Tage Ungewissheit zerrten an meinen Nerven, ich zog jede noch so kleine Information in mich auf, in der Hoffnung sie würde es besser machen. Endlich lag das Ergebnis vor, anscheinend war die Infektion von selbst abgeheilt. Die Frauenärztin entschuldigte sich noch mehrmals und schob es immer wieder auf das Computersystem.

Aber auch das sollte nicht das letzte Problem gewesen sein. Beim nächsten Termin waren meine Eiweißwerte erhöht. Es hieß, dass dies kein Problem sei und dieser Wert zum Ende hin häufig etwas ansteigt. Also keine Panik. Ein paar Tage später bekam ich einen Anruf aus der Arztpraxis, die Testergebnisse liegen nun vor und ich sollte sofort in die Praxis kommen, um den Test zu wiederholen. Der Eiweißwert, mein Blutdruck und die Wassereinlagerungen deuteten auf eine Schwangerschaftsvergiftung hin. Wieder wurde ein Test mit dem Hinweis „eilig“ ans Labor geschickt.

Meine Frauenärztin wollte mich am nächsten Tag anrufen, falls der Wert weiter gestiegen ist, sollte ich sofort ins Krankenhaus. Doch dazu kam es gar nicht erst. Ich bekam einen Anruf von einer Bekannten, die zufällig in dem Labor arbeitete, in dem mein Test ausgewertet wurde. Die Werte waren extrem erhöht, weshalb sie mir riet sofort ins Krankenhaus zu gehen und nicht auf den Anruf der Ärztin zu warten. Da ich mittlerweile wusste, dass ich mich nicht auf die Frauenärztin verlassen konnte, rief ich meinen Mann an und schaute in meine Kliniktasche ob noch etwas fehlte. Die nächsten zwanzig Minuten in denen ich auf meinen Mann wartete, hatte ich das Gefühl mein Herz würde jeden Moment aus meiner Brust springen.

Im Krankenhaus angekommen, wurde gleich das erste CTG geschrieben. Alles war ok und dem Krümel ging es gut. Ich konnte also erstmal aufatmen. Dennoch sollte ich im Krankenhaus bleiben. Später sollte noch ein CTG geschrieben werden und am nächsten Tag wollten sie die Geburt einleiten. Als mein Mann nach Hause fuhr, saß ich allein im Zimmer. Wieder kreisten meine Gedanken. Ich hatte gehört, dass Kinder durch eine Einleitung Probleme haben können und das die Wehen der Horror wären. Also sprach ich mit dem Krümel in meinem Bauch. Ich sagte ihr, dass ich mir wünschen würde, sie könne selbst entscheiden wann sie auf die Welt kommen will. Aber schließlich ging unsere Gesundheit vor.

Nach ein bisschen Fernsehen und dem nächsten unauffällige CTG (mit leichten Wehen) ging ich ins Bett. Mein Rücken schmerzte, ich schob es auf das Bett und den Stress vom Tag.

Um vier Uhr wurde das Bett plötzlich nass. Die Fruchtblase war geplatzt.

Unsere Tochter hatte nun doch selbst entschieden, raus zu wollen. Ich war in der 40. Woche, also war es auch Zeit dafür. Ich schleppte mich tropfenderweise zur Nachtschwester. Ein weiteres CTG wurde geschrieben. Die Oberärztin war auch sehr froh darüber, dass es nun doch von allein los ging und fragte mich, wie ich das angestellt hätte. Die Ärztin, die Hebammen und ich hatten dadurch sehr gute Laune, obwohl es noch nicht mal richtig hell war draußen. Ich packte meine Sachen und konnte noch etwas frühstücken. In der Zwischenzeit rief ich meinen Mann an, der eigentlich erst in einer Stunde da sein wollte. Da mein Fruchtwasser grün war, bekam ich einen Wehen Tropf und wir wurden in den Kreißsaal gebracht. Die Hebammen sorgten sehr liebevoll für uns, gaben uns aber auch Privatsphäre. Die Wehen wurden stärker und schmerzhafter. Alles schien so zu laufen wie es sollte. Dann nach zwölf Stunden ein herber Rückschlag. Der Muttermund hatte sich trotz Wehen nur 2 cm geöffnet. Die Ärztin riet zu einer PDA um mich etwas Kraft tanken zu lassen und in der Hoffnung, dass sich noch etwas mehr tun würde.

Ich hasse Spritzen, bin empfindlich am Rücken und da wollen die mit einer Spritze dort rein? Panik stieg in mir auf und ich konnte sie nicht zurückhalten. Was wenn etwas schief läuft? Ich wollte das Krankenhaus ganz sicher nicht im Rollstuhl verlassen. Leider gab es keine großen Alternativen, also willigten wir nach einem Aufklärungsgespräch schließlich ein. Als die Anästhesistin anfing die Stelle zu markieren an der gestochen werden sollte, brach ich in Tränen aus. Ich hatte solche Angst. Mein Mann saß vor mir und beruhigte mich, auch die Hebamme sprach mir gut zu.

Als ich mich gefangen hatte, ging es los. Es war zum Glück schnell vorbei und nicht so unangenehm wie ich befürchtet hatte. Ich schlief erstmal eine Stunde. Danach fragte ich meinen Mann, ob ich überhaupt noch Wehen hatte, denn ich spürte davon gar nichts mehr. Aber er bestätigt mir, dass die genauso stark wie vor der PDA waren.

Dann schlug die Stunde der Wahrheit und die Ärztin kam zur nächsten Untersuchung. Leider hatte sich am Muttermund nichts getan und die Ärztin meinte, dass wir über einen Kaiserschnitt nachdenken sollten, solange es mir und vor allem der Kleinen noch gut geht. Mir kamen sofort die Tränen. Ich hatte mir nichts für die Geburt vorgenommen, weil ich wusste, dass so viel anders kommt als geplant. Aber eines wollte ich nie… einen Kaiserschnitt. Wir sprachen miteinander und überlegten, doch es gab in dem Moment wieder keine wirkliche Alternative. Und es ging nun mal um die Gesundheit unserer Tochter. Um vorbereitet zu sein und einen Notkaiserschnitt zu verhindern, willigten wir ein. Kurz darauf ging es an die Vorbereitungen.

Die Ärzte und Schwestern im OP waren alle super, sie bauten mich auf, lenkten mich mit Fragen zur Kleinen ab und erklärten mir was nun alles passiert. Zwischendurch liefen mir immer wieder die Tränen. Nach einer ganzen Weile und heftigem Geruckel, kam endlich ein Schrei. Und die Kleine wurde uns gezeigt. Sie war so hübsch (das ist sie natürlich immer noch). Mein Mann ging mit ihr zur ersten Untersuchung und ich wurde währenddessen genäht. Als ich fertig war, wurde ich in den Kreißsaal geschoben. Dort durfte ich meine Tochter 5 Minuten halten. Anschließend wurde ich in den Aufwachraum geschoben. Die Zeit schien stehengeblieben zu sein. Ich war traurig und besorgt. Ich wusste nichts, weder ob es meiner Kleinen gut ging noch das Gewicht oder ihre Größe. Andersrum ging es meinem Mann ähnlich, er wusste nicht wie es mir ging. Wir wissen beide nicht, warum wir in der Situation nicht den Mund aufgemacht haben und Informationen verlangt haben. Aber man vertraut anscheinend den Göttern in Weiß, dass sie wissen was sie machen und wie alles so seinen Gang gehen muss. Dann war es endlich so weit, ich durfte auf die Wöchnerinnenstation. Dort erwartete mich aber nur mein Mann. Die Kleine musste noch überwacht werden, weil ihre Sättigung nicht optimal war. Auch mein Mann musste nun gehen und durfte erst am nächsten Tag wiederkommen. Wieder ein Dämpfer der mein Herz schwer wie ein Steinbrocken werden ließ. Schließlich konnte ich ein wenig schlafen und gegen vier Uhr brachte mir die Ärztin meine Tochter. Endlich konnte ich sie im Arm halten, sie streicheln, anschauen, küssen und mit Nähe und meiner Liebe überschütten. Ich war überglücklich.

Die Tage waren für mich wie ein Film gewesen, die Erinnerung ist wie in einem Nebel. Meine Bettnachbarin wurde an dem Tag entlassen und so konnte mein Mann die nächsten Nächte bei uns bleiben. Ich wurde schnell wieder fit, allerdings wurde mir immer mehr bewusst, was geschehen war. Wenn ich daran zurück denke, nervt es mich immer noch, das ich mich nicht um meine Tochter kümmern konnte, wie ich es wollte. Aber die Schmerzen beim aufstehen und hochheben waren einfach zu groß. Ich bin meinem Mann überaus dankbar, dass er alles mit uns durchgestanden hat, immer an meiner Seite war und sich so toll um unsere Kleine gekümmert hat.

Mich hat Sandras Geschichte sehr berührt und ich konnte so vieles nachfühlen, weil es uns in einigen Situationen ähnlich ging. Ich bin froh, dass am Ende alles gut gegangen ist. Wenn du Sandra etwas sagen möchtest, dann hinterlasse ihr gern einen Kommentar.

Bildquelle: Pixabay

8 Comments

  • Anne 14. Februar 2020 at 16:10

    Ja man vertraut den Ärzten, was sollte man auch sonst tun. Bei unseren ersten Kind war das auch ganz schlimm. Da merkt man erstmal das man dann nur eine von vielen ist.

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    • Dany 14. Februar 2020 at 16:14

      Das stimmt Anne, man vertraut demjenigen. Umso schlimmer wenn es solche Ärzte gibt. Liebe Grüße, Dany

      Reply
  • Katharina 14. Februar 2020 at 14:05

    Wow, was für eine bewegende Geschichte. Danke, dass ihr beiden sie uns erzählt.
    Es freut mich riesig, dass alles gut gegangen ist und ihr nun eine kleine Familie seid.
    Ich wollte auch das mit der Frauenärztin fragen . was für eine unmögliche Ärztin – die so viel mehr Verantwortung und Einfühlungsvermögen hätte zeigen sollen. Meiner Meinung nach den Beruf verfehlt…

    Liebe Grüße
    Katharina<3

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    • Dany 14. Februar 2020 at 16:13

      Liebe Katharina, danke für deine Worte und deinen schönen Kommentar. Ich finde auch das die Ärztin den falschen Beruf hat. Zum Glück ist alles gut gegangen. ❤ Alles Liebe, Sandran und Dany

      Reply
  • Jenny 14. Februar 2020 at 13:59

    Liebe Sandra, danke das du deine Geschichte hier so offen teilst. Ich habe auch ganz schlimme Erfahrungen mit meiner Frauenärztin machen müssen. Das hätte fast das Leben unseres Kleinen bedeutet. Ich fühle mit dir. Alles Liebe Jenny

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    • Dany 14. Februar 2020 at 16:16

      Furchtbar das es so viele gibt, denen es auch so ging mit ihrer Ärztin. Wenn man seinem Frauenarzt nicht vertrauen kann, wem denn dann? Zum Glück ist alles gut gegangen. Alles Liebe für dich und deine Familie. Dany ❤

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  • Julia 14. Februar 2020 at 13:14

    Ach du lieber Himmel, das war ja eine aufregende Schwangerschaft. Du hast dir hoffentlich eine andere Gyn gesucht!? Alles Liebe für dich und deine kleine Familie. LG Julia

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    • Dany 14. Februar 2020 at 13:15

      Liebe Julia, danke für deinen Kommentar und deine lieben Worte. Im Namen von Sandra kann ich sagen, Ja sie hat sich eine neuen Frauenärztin gesucht (das war auch meine erste Frage). Liebe Grüße, Dany

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