Warum du nie auf ein Lektorat verzichten solltest / mit Lektoratsbeispiel

Posted on 17. März 2020 by Dany

Während ich mein erstes Manuskript geschrieben habe, tauchte im Hintergrund immer wieder die Frage auf ob ich ein Lektorat wirklich brauche. Natürlich habe ich mich (wie viele andere auch) gefragt, warum ein Lektorat so teuer ist. Für mich und viele Selfpublisher ist es viel Geld. Dann kam meine Chance eine Kurzgeschichte gratis lektorieren zu lassen. Kurzerhand habe ich also innerhalb weniger Stunden eine kleine Geschichte geschrieben. Einige Leser und auch ich fanden sie toll und meine Leser wollten wissen wie es weiter geht. Das dies das beste Kompliment ist, welches ein Autor bekommen kann, brauche ich wohl niemanden erklären.

Ich möchte diese Kurzgeschichte mit dir teilen. Im Anschluss gibt es die lektorierte Version. Dadurch wirst du schnell erkennen, ob und warum ein Lektorat unumgänglich ist.


03:UhrZug

Eine Kurzgeschichte von Daniela Matthes

Und wieder musste Anne herhalten. Sie konnte es sich zwar schon denken, aber nach dem Montagsmeeting war es nun offiziell. Sie war die Auserwählte, der die Ehre gebührte, diesen widerlich schleimigen und ekelerregenden Geschäftspartner zu interviewen. Im letzten Jahr war sie dank eines Sturms davongekommen. Flugzeuge, Züge, einfach alles war ausgefallen. Nicht einmal ein Bus traute sich, raus zu fahren. Dafür hatte sie kurze Zeit später eine Fabrikführung dokumentieren müssen und hatte den Artikel prompt in den Sand gesetzt. Wie sollte man so etwas Langweiliges auch spannend rüberbringen. Vielleicht hätte sie einen der Arbeiter interviewen sollen. Aber dadurch wären nur die schlechten Arbeitsbedingungen ans Licht gekommen und ihr Chef sicher alles andere als begeistert gewesen. Auf jeden Fall musste sie jetzt alles aus diesem Auftrag holen, was sie konnte, denn allmählich hatte sie das Gefühl, ihr Job stehe auf der Kippe. »Du sollst nochmal ins Büro vom Direktor kommen« brüllte James durch das ganze Büro. Da brauchte es keinen Buschfunk, in einem Großraumbüro wusste sofort jeder Bescheid. Als sie zum Chef eilte, erntete sie von allen mitleidige Blicke. Das hieß nichts Gutes. Im Grunde bedeutete es nie etwas Positives, wenn man zu Herrn Degenhardt zittert wurde. Je näher sie dem Büro kam, umso mehr schien sich ihr Magen mit bitterer Säure zu füllen. Sie spürte wie der Magensaft langsam emporstieg und in ihrem Hals kratzte. Anne musste sich zusammenreißen. Immerhin war sie eine Spitzenjournalistin. So hatte sie sich zumindest vor einem Jahr diesen Job geangelt, den sie dringend brauchte. Sie konnte sich selbst gut verkaufen, so viel stand fest. Nur ihre Artikel benötigten dringend noch etwas Würze. Sie waren gut, aber irgendwie fehlten ihren Texten das gewisse Etwas. Sie schob es auf die Aufträge, die sie bekam. Immer wieder hatte sie das Gefühl, auf die Probe gestellt zu werden. Ihre Hand weigerte sich, den Türknauf anzufassen, als sie nach einem gefühlt endlosen Gang durchs Büro endlich an der massiven Holztür mit der Aufschrift »Direktor« angekommen war. Sie spürte die Blicke der Mitarbeiter auf ihrem Rücken brennen. Alle schienen gerade nichts besseres Zutun zu haben. Wie ätzend. Sie durfte nicht länger zögern. Also holte sie tief Luft, raffte ihren Oberkörper auf und ging schließlich erhobenen Hauptes hinein. Wie zu erwarten hatte ihr Chef weder ein Lächeln noch eine Begrüßung für sie übrig. »Frau Williams, ich hoffe Ihnen ist bewusst, welche Chance Sie erhalten haben mit diesem Auftrag!?« Jetzt erwartet er auch noch eine Antwort. Anne hatte nicht damit gerechnet, ihren Chef noch in den Arsch kriechen zu müssen. »Selbstverständlich Herr Degenhardt, ich bin überaus dankbar für diese einmalige Chance.« Seine Augen wurden schmal. »Das können Sie laut sagen, nachdem Sie es im letzten Jahr schon einmal versaut haben.« Wie bitte? Ihre Augen weiteten sich und ihr Puls begann zu rasen. Sie spürte Wärme in sich aufsteigen und fühlte sich wie ein Pulverfass das kurz vor der Explosion stand. »Natürlich Herr Degenhardt.« Mehr konnte und wollte sie nicht dazu sagen. Es schien ihn zu genügen, sein Gesicht entspannte sich wieder etwas. Die Stille wurde von einem Klopfen unterbrochen. Das verschaffte Anne Zeit kurz durchzuatmen. Sie hatte gar nicht gemerkt, wie sehr sich ihr Körper verkrampft hatte. Sie spürte Muskeln an Stellen, an denen sie nie vermutet hätte, welche zu haben. Vanessa öffnete die Tür. Sie war Herrn Degenhardts Nichte und er vergötterte sie, als wäre sie sein eigenes Kind. Ohne weitere Umschweife legte sie ein Kuvert auf seinen Schreibtisch und gab ihn einen Kuss auf die Wange. Diese errötete sich daraufhin, als hätte er gerade eine Liebeserklärung vom heißesten Mädchen auf dem College bekommen. Mit einem »Danke, Liebes« verschwand sie wieder, ohne ein Wort zu sagen. »Hier ist ihr Ticket und jetzt raus hier.« Anscheinend war das Gespräch, wenn man es so nennen konnte, damit beendet. Das sollte Anne nur recht sein, sie wollte so schnell wie möglich raus aus diesem Raum. »Wenn Sie diesen Artikel versauen, können Sie sich einen neuen Job suchen. Verstanden!?« Die Worte knallten durch Ihre Ohren in ihren Kopf wie ein Feuerwerk an Silvester. Scheiße, nun musste der Artikel einsame Spitze werden und bei den Lesern einschlagen wie eine neunzig Prozent Rabattaktion. Nach einem weiteren Spießrutenlauf durchs Büro erreichte sie ihren Schreibtisch und ließ sich so tief wie möglich in den Stuhl fallen. Erstmal durchatmen. Wenn dieser Schnösel keine Wahnsinnsstory zu erzählen hatte, war sie geliefert. Während sie ihren Bildschirm betrachtete, öffnete Sie das Kuvert, welches sie immer noch in der Hand hielt. Nach einem ersten Blick legte sie den Zettel zur Seite, um nach Mister Großkotz zu googeln. Moment. Sie nahm das Papier wieder zur Hand und las diesmal aufmerksam was darauf stand. Ein Zugticket? Das war jetzt ein Scherz!? Wann sollte sie denn bitte damit ankommen. Da wäre sie doch Stunden unterwegs. Mit dem Flugzeug ginge es tausend Mal schneller. Ohne weiter darüber nachzudenken stapfte sie mit dem Ticket in der Hand zu Vanessas Schreibtisch. Sie baute sich vor ihr auf und wollte gerade Ansetzen … »Du kannst dir deine Worte gleich sparen. Ich sollte das günstigste Angebot nehmen und das war nunmal dieses.« Sie hätte schwören können ein Grinsen in Vanessas Gesicht gesehen zu haben. Tzzz, so eine arrogante Kuh. Na gut, dann eben mit dem Zug. Das hieß, sie hatte Zeit, sich auf das Interview vorzubereiten, was nicht gerade schlecht war. Es hieß aber auch, dass sie noch heute ihre Sachen packen musste, da sie nicht wie gedacht eine Stunde, sondern mindestens sechs unterwegs sein würde.

***

Morgens um drei war es am Bahnhof tatsächlich noch kälter als tagsüber. Ihre Müdigkeit trug sicher auch einen großen Teil dazu bei. Sie holte sich einen Kaffee aus dem Automaten und trottete zum Bahnsteig. Laut Anzeige sollte der Zug in fünfzehn Minuten eintreffen. Sie stellte ihren Koffer und ihre Laptoptasche ab und legte ihre Hände um den Becher, um sie zu wärmen. Sie wusste, dass der Kaffee aus dem Automaten widerlich schmeckte, aber er wärmte sie ein bisschen und sie mochte den Geruch. Sie blickte um sich. Ein paar wenige Menschen hatten sich ebenfalls aus ihrem warmen Bett gequält und warteten nun auf die Ankunft des Zuges. Neidisch beobachtete sie eine alte Dame, die ihre Thermoskanne dabei hatte und sich etwas in einen Becher füllte. Auf die Idee hätte sie auch kommen können. Aber wenigstens hatte sie sich etwas zum Frühstück und eine Flasche Wasser eingepackt. Wieder huschte eine eisige Brise über das Gleis. Anne versuchte, ihren Schal noch höher zu ziehen. Nach einer gefühlten Ewigkeit traf der Zug endlich ein. Sie kippte den mittlerweile kalten Kaffee runter, warf den Becher weg und schnappte sich ihre Sachen. Es war nicht schwer, einen Sitzplatz zu finden, denn bereits der erste Wagon war leer. Sie schnappte sich großzügig einen Viererplatz, der einen kleinen Tisch in der Mitte hatte. Perfekt, um noch ein wenig am Laptop zu recherchieren. Vielleicht fand sie ja einen Aufreißer, mit dem sie diesen Blödmann konfrontieren konnte. Nachdem sie ihren Koffer auf der Ablage verstaut hatte, versuchte sie es sich so gut es ging, gemütlich zu machen. Sechs Stunden, wenn es keine Verzögerungen gab. Einfach unglaublich. Sie sah Vanessas grinsende Visage förmlich vor sich und wollte ihr diesen Triumph, einen Platz in ihren Gedanken zu haben nicht gönnen. Also kramte sie ihren Laptop raus und machte sich sofort an die Arbeit. Zwischendurch wanderte ihr Blick immer wieder nach draußen in die Dunkelheit. An fast jeder Haltestelle stiegen Menschen ein und wanderten durch den Wagon wie Zombies. Die nächsten Stationen bemerkte Anne nicht, weil sie zu vertieft in ihrer Recherche war. Sie hatte eine Seite, einen Blog gefunden, der Insiderwissen über ihren Interviewpartner hatte. Wenn das stimmte, was hier stand, hätte sie einen richtigen Aufhänger für ihre Story gefunden. Sie rieb ihre Hände und brannte jetzt schon darauf sein Gesicht zu sehen, wenn sie ihm dazu befragen würde. Ihre Gedanken wurden vom Geruch nach herrlich duftenden Kaffee unterbrochen. Von draußen konnte es nicht kommen, denn sie fuhren gerade an einigen Feldern entlang. Anscheinend hatte sich jemand zu ihr in den Wagon gesellt. Gott was würde sie jetzt für einen Kaffee tun. Im Flugzeug hätte sie einen bekommen und wäre innerhalb … nein, sie würde diesen Gedanken keine Chance geben. Reiß dich zusammen Anne. Sie könnte auf die Toilette gehen und auf den Weg dahin rausfinden von wo und vor allem wem, dieser köstliche Geruch kam. Sie konnte sich ohnehin nicht mehr konzentrieren. Also packte sie ihren Laptop weg, verstaute ihn auf der Ablage und legte ihre Jacke darüber. Hoffentlich machte niemand lange Finger, wenn sie kurz verschwand. Sie schlenderte durch das Abteil und folgte dem Duft. Auf dem letzten Viererplatz hatte es sich ein Mann gemütlich gemacht. Er war eingeschlafen während sein Becher vor ihm auf dem Tisch stand, aus dem kleine Duftwölkchen aufstiegen. Hier roch er sogar noch besser. Sie könnte schwören das es ein Karamell Macchiato war. Der Mann bewegte sich. Mit einem Zucken löste sie sich aus ihrer Starre und verließ den Wagon. Sie blieb vor der Toilette stehen. Niemals würde sie auch nur einen Finger auf die Türklinke legen. Zum Glück musste sie das auch nicht, denn sie wollte ja nur herausfinden, wo der leckere Kaffeegeruch her kam. Sie lehnte sich zurück, um einen Blick durch die Scheibe der Tür zu werfen. Schnell schob sie ihren Körper wieder nach vorn. Er war aufgewacht. Er war wach und nebenbei bemerkt, war nicht nur sein Kaffee heiß. In den letzten Monaten hatte sie keinen einzigen Gedanken an Männer verschwendet. Das fiel ihr nicht schwer, denn nachdem ihre letzte Beziehung unfreiwillig geendet hatte, musste sie die Stadt verlassen. Sie wollte neu anfangen. Alles Vergessen und hinter sich Lassen. Sollte er doch glücklich werden mit seiner Sekretärin. Das war so klischeehaft. Dennoch vermisste sie die starken Hände eines Mannes und wünschte sich, wieder eine Schulter an die sie sich nach besonders miesen Tagen im Büro anlehnen konnte. Jemanden der an sie glaubte, wenn sie es mal nicht tat. Die Tür öffnete sich wie von Geisterhand und Anne blieb nichts anderes übrig, als zurück in den Wagon zu gehen.

***

Er hatte sie bemerkt. Er hob seinen Blick und schon breitete sich ein warmes Lächeln aus. Es steckte an, während sie vorbei schlenderte, begannen ihr Lippen das Lächeln zu erwidern. Sie ließ sich auf ihren Platz fallen und versuchte die Gedanken durch einen Blick aus dem Fenster loszuwerden. Ein Schatten tauchte in ihrem Augenwinkel auf. »Hallo, wie ich sehe sind Sie auch allein unterwegs. Entschuldigen Sie die Frage, aber hätten Sie vielleicht Lust mir Gesellschaft zu leisten?« Anne wusste, dass sie eigentlich noch die Fragen für ihr Interview vorbereiten musste. Aber es war einfach zu verführerisch, wie er da so vor ihr stand in seinem legeren schwarzen Anzug, mit leicht verwuschelten Haaren. Gern hätte sie ihre Finger einmal darin vergraben. Der Gedanke schenkte ihr ein ungewolltes Grinsen. Oh, er wartete immer noch auf eine Antwort. »Hallo, ähm ja, klar, warum nicht.« Mit diesen Worten stand sie auf. Plötzlich kam der Zug ins Wanken und ehe sie sich versah, wurde sie von seinen starken Händen aufgefangen. Ihr Körper drückte sich durch die Beschleunigung des Zugs gegen ihn und sie wollte absolut nichts tun, was diesen Moment beenden würde. Ihre Hände lagen auf seiner muskulösen Brust, sie konnte seinen Herzschlag spüren. Ihres schien für einen Moment aus dem Takt gekommen zu sein. Sie atmete seinen Duft ein, der nach Karamell, Schokolade und Kaffee roch. Als sie wieder im Hier und jetzt ankam, löste sie sich von dem Unbekannten. »Alles ok?« Er erkundigte sich sogar nach ihrem Befinden. Sie drohte weiche Knie zu bekommen und dahin zu schmelzen. »Ja, alles in Ordnung.« Als sie ihren Koffer aus der Ablage Hiefen wollte, nahm er ihn ihr sofort ab. Danach reichte er ihr den Mantel und die Laptoptasche. Sie folgte ihm auf seinen Sitzplatz. Er verstaute alles und zeigte auf die Tasche in ihrer Hand, »soll die auch mit hoch?« Da fiel ihr der Artikel wieder ein. Sie warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. Noch vier Stunden. »Nein, da ist mein Laptop drin und ich muss noch ein paar Dinge vorbereiten.« Sie wollte lächeln, aus Dankbarkeit, aber bei dem Gedanken an den Schnösel den sie in wenigen Stunden gegenüber sitzen würde wurde ihr leicht übel. Immer wieder dachte sie an den Vorfall bei der Firmenfeier im letzten Jahr, als sich der Typ nicht nur daneben benommen, sondern sie auch noch begrabscht hatte. »Links oder rechts?« Sie war so vertieft, dass sie nicht wusste, was der Unbekannte wollte. »Wie bitte?« Leicht amüsiert fragte er noch einmal. »Möchten Sie lieber links oder rechts sitzen?« »In Fahrtrichtung bitte, wenn es Ihnen nichts ausmacht.« Er schüttelte den Kopf, lächelte und führte sie mit einer Handbewegung auf den Sitzplatz und setzte sich gleich daraufhin gegenüber. »Darf ich sie zu einem Karamell Macchiato einladen?« Sie nickte freudestrahlend. Er holte noch ein Becher hervor und füllte beide mit dem himmlisch duftenden Getränk. Er erhob seinen Becher, »na dann, auf unser süßes Spontantreffen.« Wieder konnte sie nur grinsen. Während der Zug eine Station nach der Anderen abklapperte, waren die beiden in ihr Gespräch vertieft. Anne offenbarte den Fremden einfach alles. Es sprudelte nur so aus ihr raus und es fühlte sich an, als würden sie sich schon ewig kennen. Sie spürte eine tiefe Vertrautheit, die sie sich nicht erklären konnte. Aber auch der Fremde war sehr offen und erzählte von sich. Er würde die Firma seines Vaters übernehmen. Allerdings war er noch nicht sicher, ob er das überhaupt wollte. Und wenn doch, würde sich einiges ändern. Ihr Gespräch wurde von seinem schrillen Handyton unterbrochen. »Johnson.« Anne erstarrte. Hatte sie sich gerade verhört oder hatte er sich tatsächlich mit dem Namen Johnson gemeldet. Das musste ein Zufall sein, sicher gab es noch viele Menschen, die so hießen. Als er aufgelegt hatte, ließ er das Handy wieder in seiner Jackentasche verschwinden und fragte, »wo waren wir stehen geblieben?« Sie musste es einfach wissen. »Du hast mir noch nicht verraten, wie du heißt.« Er grinste. »Du mir auch nicht.« Na gut, dann würde sie eben den Anfang machen. »Mein Name ist Anne Williams.« Nun rutschte sie aus ihrem Sitz etwas nach vorn, um ihn besser zu hören. »Ich heiße Lukas Henry Johnson.« »Der Johnson, von dem großen Pharmakonzern?« Entfuhr es ihr. Er atmete ein und schmetterte die Luft wieder raus. »Ja, genau der.« »Dann ist Henry Johnson dein … »Ja, er ist mein Vater.« Er war es leid, wenn andere erfuhren, wer er war. Weil es immer wieder auf das Gleiche hinaus lief, sie wollten über ihn an seinen Vater rankommen. »Aber warum wirst du nirgendwo erwähnt?« »Ganz einfach, weil ich sein Adoptivsohn bin und ich mich aus der Öffentlichkeit raus halte.« Anne musste überlegen, was sie mit dieser Information anfangen sollte. Sie wollte ihn nicht weiter Löschern, aber die Journalistin in ihr witterte eine fette Story und vor allem, würde sie dem Gespräch mit seinem Vater damit aus dem Weg gehen können. Lukas wirkte nicht gerade begeistert. Verständlich. »Der Termin von dem ich dir erzählt habe, der ist mit deinem Vater.« Nun war sie gespannt, was er sagen würde. »Du bist bei weitem nicht die Einzige, die ihn als das bezeichnet, was er nun mal geworden ist. Ein Ekelpacket. Er interessiert sich nicht mehr für Menschen und versteckt sich nur noch hinter seinem Geldberg.« Sie musste alles auf eine Karte setzen, denn die Zeit wurde langsam knapp. In einer halben Stunde würde der Zug in den Bahnhof einfahren. »Ich möchte kein Interview mit deinem Vater führen, ich möchte nicht mal im selben Raum sein wie er. Aber wenn ich es nicht schaffe ihn eine mega Story aus dem Kreuz zu leiern kann ich meinen Job vergessen.« Er dachte nach. Die Stille, die sich ausbreitete, ließ ihr Herz immer schneller schlagen. »Ich kann dir keine Story über ihn liefern, da ich überhaupt keinen Einblick in seine Geschäfte habe und auch privat gibt es nicht viel, was interessant genug wäre, um darüber zu schreiben.« Ihr Herz sackte wie durch eine Falltür auf den Boden. Was hatte sie auch erwartet, dass er sich ihr offenbaren und seinen Vater ans Messer liefern würde? »Aber ich kann dir ein anderes Angebot machen.« Anscheinend wollte er sie doch nicht am Galgen baumeln lassen. »Lass hören.« Forderte sie ihn auf. »Gib mir dein Handy.« Ohne groß darüber nachzudenken entsperrte sie es und legte es in seine Hand. Er tippte darauf herum und gab es ihr zurück. »Und jetzt?« Ohne etwas zu sagen, stand er auf, zog seinen Mantel an und nahm seine Sachen von der Ablage. Er beugte sich zu ihr runter, hauchte ihr einen Kuss auf die Wange und flüsterte: » Alles wird gut, vertrau mir.« Mit diesen Worten verschwand er.


Willst du wissen wie es weiter geht? War alles stimmig in deinem Kopf als du gelesen hast? Hat sich ein kleiner Film vor deinem geistigen Auge abgespielt?

Lass es mich gern in einem Kommentar wissen!

Nun geht es gleich weiter zu Teil 2 – der lektorierten Version. Ich füge an der Stelle noch den Text der Email von Anke (meine Lektorin) mit an. Als ich ihr meine Kurzgeschichte geschickt habe, hatte ich mich gefragt, ob es denn überhaupt eine richtige Geschichte ist, so ohne Ende und ohne Heldenreise.


Halli Hallo liebe Dany,

vielen herzlichen Dank, dass du mitgemacht hast. Anbei sende ich dir die Datei mit meinen Anmerkungen.

Hier möchte ich noch auf ein paar Dinge eingehen, die ich im Skript nicht geschrieben habe.

Erstmal haben Kurzgeschichten sehr oft ein offenes Ende, das ist also kein Problem. Ebenfalls greift die Heldenreise nicht, da die Figur in einer Kurzgeschichte keine Zeit hat sich zu verändern. Kurzgeschichten sind lediglich ein “Schnappschuss” aus dem Leben der Hauptfigur. Wir (als Leser) erleben höchstens ein paar Stunden daraus und bekommen niemals das große Ganze zu lesen, wie es in einem Roman der Fall wäre.

Auch steigen wir direkt in die Handlung ein, ohne großes Vorgeplänkel. So hätte deine Geschichte zum Beispiel direkt am Bahnsteig beginnen können. Die Szene im Büro war dieses “Vorgeplänkel”. Wenn das wegfällt, hättest du auch noch genug Platz gehabt, um den Plan zu offenbaren, den der Adoptivsohn hat. Den bräuchte es noch, damit die Geschichte rund wird. Das Ende könnte trotzdem offen bleiben, indem wir nie erfahren, ob der Plan funktioniert hat oder nicht.

Ich kann dir auf jeden Fall sagen, dass du per se gut schreiben kannst und auch tolle Vergleiche machst. Aber was du noch brauchst, ist eine Story. Ich meine das im Sinne von “Was ist das Thema? Was möchte ich der Welt mit der Geschichte mitteilen? Worauf möchte ich vielleicht aufmerksam machen”. Das fehlt mit bei der Kurzgeschichte.

Auch darfst du aus deiner Protagonistin noch mehr herauskitzeln. Die ist Journalistin, die mit Selbstzweifeln in Bezug auf ihren Beruf zu kämpfen hat. Das ist in meinen Augen der Aufhänger für deine Geschichte. Die Liebesgeschichte darf dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen. Anne hat sich ja aber direkt an seinen Hals geworfen, nur weil er nicht aussah wie Quasimodo, obwohl ihr so dringend benötigter Job auf dem Spiel stand. xD

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen. Wenn du Fragen zu meinen Kommentaren hast, schreib sie mir gerne.

Liebe Grüße

Anke


Damit Ankes Kommentare angezeigt werden, ist die lektorierte Version eine PDF-Datei. Um sie anzuzeigen klicke sie einfach an!

Kurzgeschichte_Dany Matthes_Kommentar Anke

Wahrscheinlich ging es dir wie mir als ich die vielen roten Markierungen im Text und die vielen Kommentare gesehen habe. Aber wenn man sich dann alles in Ruhe durchliest, macht es sehr viel Sinn. In meinem Kopf hatte ich ein Bild, einen Film vor Augen denn ich beschreiben wollte. Allerdings fällt es mir oft immernoch schwer die Beschreibung so für den Leser zu machen, dass bei ihm der gleiche Film entsteht wie in meinem Kopf. Da heißt es üben üben üben. Das Schreiben ist ein Handwerk das man erlernen kann, wenn man es denn möchte.

Auf jeden Fall hat sich meine Einstellungen zum Thema Lektorat um 180 Grad gedreht. Ich finde nun, dass es jeden Cent wert ist. Und man kann sich am Ende sicher auch mit dem Lektor einigen, was das preisliche angeht. Aber es sollte auf jeden Fall fair sein. Immerhin lebt ein Lektor davon. Für mich bedeutet das – sparen. Ich werde mir für mein Buch Geld beiseite legen und mich weiter bilden und üben. Denn je besser dein Manuskript ist, umso weniger hat der Lektor zutun und umso günstiger wird es.


Es folgt ein wenig Werbung

Ich hatte sehr viel Freude an dem Austausch mit Anke und ihre Arbeit hat mich überzeugt. Im übrigen gibt sie auf ihrer Webseite und Youtube interessante Infos und Wissen für Autoren weiter.

Wer?
Anke Müller
Wo?
Youtube | Website | Instagram
Warum?
Weil dein Manuskript vielleicht gut ist, nach einem Lektorat wird es aber um Welten besser sein! Hol alles aus deiner Geschichte raus, was geht. Anke hilft dir dabei.

 

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