Wir Heiraten – #1

Posted on 26. Februar 2017 by Dany

Nach der anfänglichen Aufregung die man glaube ich grundsätzlich einfach hat, wurde es erstmal still. Es kehrte Ruhe ein und der Alltag. Was so ziemlich das Blödeste am Heiraten ist, die Zeit. Mal hat man gefühlt unendlich viel davon und dann plötzlich scheint sie wieder wie Sand durch die Finger zu rinnen. Einige Dinge kann man weit im Voraus planen, viele erst kurz vor dem großen Tag. Wenn der Tag beim Standesamt gebucht ist, die Location steht und bald darauf auch die Einladungen verschickt sind – heißt es erstmal wieder warten. Was Kleid und Anzug angeht heißt es immer kann man nicht früh genug losgehen. Dazu muss man sich aber auch erst einmal im Klaren darüber sein was man will und auch das Budget dazu haben. Daher haben wir alles Etappenweise gekauft und immer wieder zwischendrin Geld beiseite gelegt.

Das Schlimmste war, dass es eine ganze Weile gedauert hat bis ich mich richtig darauf einlassen konnte. Ab dem Moment gab es dann zwar kein Halten mehr und wir legten uns richtig ins Zeug, aber vorher war es sehr schwierig. Ich konnte mir unsere Hochzeit einfach noch nicht vorstellen. Ich wollte es, keine Frage –immerhin hatte ich ihn auch gefragt. Aber ich habe mich noch nicht in einem weißen Traum aus Tüll und Stoff da vorne stehen sehen. Und so kam es wie es kommen musste.

 

Inspiration- Hochzeitsmesse

 Auf einer Messe wollten wir uns Inspiration holen. Dort fiel mir eine hübsche junge Frau auf, von der ich die Augen nicht lassen konnte. Das Kleid, die Schuhe – es passte einfach alles. Sie war als Aushängeschild eines Brautmodengeschäftes dabei gewesen. Sofort kamen wir ins Gespräch und ich ließ mich verzaubern. Wunderschöne Kleider zum Binden in verschiedensten Formen und Schnitten. Eines schöner als das Andere. Ich machte einen Termin aus und die hübsche junge Frau notierte auch gleich ein paar Favoriten.

Es gab noch viele weitere Aussteller, aber keiner gefiel mir so gut wie dieser. Es gab einfach alles, Ringe, Tauben, Geschenke für die Gäste, Kuchen, Catering, Luftballons, Kutsch- und Autofahrten. Natürlich hatte auch alles seinen Preis. Für einen Fotografen der uns 3 Stunden begleitet hätte wären wir 1200 Euro losgeworden, Geld welches wir einfach nicht hatten. Uns waren auch die Ringe wichtiger, schließlich trägt man diese jeden Tag. Die Ringe sind das Symbol unserer Ehe.

„Er hat keinen Anfang und kein Ende. Ist unendlich und beginnt doch an jedem Punkt neu. Er ist ein Symbol für die Ewigkeit, die Hoffnung und die Beständigkeit. Pur und simpel in der Form und doch mit der wichtigsten Bedeutung aller Symbole.“

Auch in Sachen Catering fanden wir nicht das was wir uns vorgestellt hatten. Dennoch war die Messe ein schönes Erlebnis um in die Welt „Hochzeit“ eintauchen zu können.

 

Das falsche Kleid

Einige Wochen später war der Tag angebrochen. Die Fahrt zum Brautmoden-Laden sollte am nächsten Tag soweit sein. Leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es stürmte und schneite wie schon lange nicht. Im Radio türmten sich die Nachrichten von Blitz Eis und Schneeverwehungen. Also riefen wir an und sagten ab. Im gleichen Zuge machten wir einen neuen Termin aus.

Zwei Wochen später war es wieder so weit. Das Problem an der ganzen Planung war, dass ich meine Mama dabei haben wollte. Somit mussten wir immer hoffen, dass es mit Ihren Schichten passt. Aber alles ging glatt und so saß ich voller Vorfreude und ein bisschen Bauchgrummeln mit meiner Trauzeugin, meiner Mama, meiner Schwiegermama und meinem Schwiegerpapa am Steuer im Auto.

Nach anderthalb Stunden Fahrt erreichten wir unser Ziel. Ich musste zugeben, dass ich mir das Ganze ein wenig größer vorgestellt hatte. Immerhin hieß es, dass es unheimlich viele Modelle an Kleidern geben soll. Aber gut, man sollte ja unvoreingenommen sein. Wir gingen also rein. Im Inneren erwartete uns ein Wartebereich mit einer weißen Couch und einem Glastisch. Weit und breit war niemand zu sehen. Eine weitere Kundin wartete mit ihren Freundinnen auf der gegenüberliegenden Couch. Wir setzten uns. Langsam fing mein Bauch an kleine Hubschrauber starten zu lassen. Verloren wie ich mir vor kam beschloss ich jemanden zu suchen um zumindest Bescheid zu sagen, dass wir da sind. Die Dame im hinteren Bereich des Gebäudes nahm es zur Kenntnis, sagte aber nichts weiter. Ich setzte mich wieder und nahm mir die Zeitung die auf den Glastisch lag. Wir blätterten zusammen durch und betrachteten mit kritischen Blick die gezeigten Kleider und Accessoires.

Nach 15 Minuten ungefähr kam dann eine Dame und nahm die anderen Kunden mit. Kurz darauf wurden wir auch in Empfang genommen. Wir folgten der älteren Dame in einen Raum mit einer weißen Couch und einem kleinen runden Glastisch. Sie bat uns etwas Wasser und Sekt an. Nachdem alle versorgt waren ging es auch schon ans Eingemachte. Ich, nach wie vor keinen Plan was ich wollte fragte nach den Kleidern die wir zum Termin notiert hatten. Leider war keines der Kleider da. Überhaupt gab es in meiner Größe nur ein Kleid welches ich probieren wollte. Das nächste Problem bestand darin, dass meine Begleitung und nicht einmal meine Trauzeugin mit in den Nebenraum zum Aussuchen kommen durften. Also nahm ich alles Mögliche mit nach vorn was mir gefallen könnte. Leider eben nur viel zu groß. Als mir alle Kleider nicht gefielen und auch meinen Begleitern nicht, holte die Dame selbst noch ein paar Kleider von denen sie glaubte, dass sie mir stehen und gefallen könnten. Als ich dann ein kurzes Kleid mit meinen tollen dunklen Strümpfen an hatte musste ich mich sehr zusammen nehmen um nicht vor Lachen auf den Boden zu kullern. Als die Dame kurz raus ging setzte meine Schwiegermama dem Ganzen noch die Krone auf und überreichte mir ein kleines Körbchen. Nun sah ich definitiv aus wie Rotkäppchen im weißen Kleid. Alle mussten lachen.

Irgendwann hatte ich dann ein langes Kleid an, welches die Dame hinten mit Klammern versuchte zu verschließen, da auch das viel zu groß war. Es war ein schönes Kleid, Schulterfrei und ohne viel Schnick Schnack. Fragend sah ich in die Gesichter meiner Mutter, Trauzeugin und meiner Schwiegereltern. Alle sahen begeistert aus. Was ich allerdings vermisste waren Tränen in den Augen. Hatten davon doch immer alle erzählt. Wir probierten noch ein paar Kleider an, aber von allen war dieses immer noch das Schönste.  Ich blickte wieder in die Gesichter als ich es noch einmal anzog. Und dann entschloss ich mich ja zu sagen. Ja zu dem Kleid. Ich dachte diesen „das ist es Moment“ würde ich einfach nicht haben. Und da keiner Einwände hatte machte ich die Sache klar. Wir begossen das Ganze mit einem Gläschen Sekt und fuhren nach allen Formalitäten Heim.

Bereits am Abend machte sich bei mir der Gedanke breit, ob es ihm gefallen wird. Am nächsten Tag wurde ich immer unsicherer. Ich fragte bei allen noch einmal nach Ihrer Meinung und alle waren sich einig, dass es ein schönes Kleid sei. Und das ich mir nicht so viele Sorgen machen soll. Wenn es dann in meiner Größe da ist, würden sicher alle Zweifel weg sein.

Nach zwei Wochen tastete ich mich an ein Gespräch mit meinem Verlobten. Ich wollte ihn klar machen, dass ich mit meiner Entscheidung nicht glücklich war. Denn plötzlich wusste ich was ich wollte. Es hatte Zing gemacht. Ich wollte eine Prinzessin sein, mit einem riesen Kleid und einer Korsage, mit Glitzer und Schleppe. Doch mein Kleid war anliegend und sehr lang, ohne Tüll und ohne Glitzer, ganz schlicht und einfach. Die Schleppe würde sie abschneiden hatte sie gesagt, da wir den ganzen Tag draußen sein werden und es so nur im Dreck schleifen würde.

Ich entschloss mich erst einmal eine E-Mail zu schreiben, da ich telefonisch niemanden erreichte. Ich hatte mir erhofft, vielleicht noch einen Termin zu bekommen um nochmal schauen zu können, ob es nicht doch ein anderes gibt. Aber leider bekam ich nur die Antwort, ich solle warten bis es da ist und dann schauen wir weiter. Ich war 3 Tage über der 14 Tätigen Frist in der ich den Auftrag hätte stornieren können. Ein paar Wochen und einigen E-Mails später entschloss ich mich einen anderen Laden aufzusuchen. Gesagt, getan- immerhin war es höchste Eisenbahn. Die Dame am Telefon war sehr nett und meinte, “da müssen wir uns beeilen, am besten Sie kommen nächste Woche Dienstag gleich vorbei –  und bitte nur zwei Begleitpersonen mitbringen”. Ich war erleichtert und ich wusste, jetzt war ich so weit. Jetzt konnte ich mich darauf einlassen und jetzt würde ich mein Kleid finden. Für mich selbst hatte ich schon beschlossen, dass andere Kleid nicht zu nehmen.

 

To be Continued…

2 Comments

  • Mel 26. Februar 2017 at 19:52

    Oh ja welch ein Drama das war aber eindeutig die richtige Entscheidung!!! Das wärst nicht Du gewesen…

    Reply
    • Dany 26. Februar 2017 at 21:20

      Ja, das stimmt. Ich bin froh, dass ich mich nochmal umgeschaut habe. Alternative (Jeans und mein ACDC Shirt) kam nicht so gut an 😀

      Reply

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