Wir Heiraten – #3

Posted on 10. März 2017 by Dany

 Der nächste Morgen, Tag X

Als der Wecker klingelte, war ich wie jeden Morgen wenn er das tat nicht besonders begeistert. Aber immerhin hatten wir ja heute einiges vor und so stieg die Vorfreude langsam aber sicher in mir auf. Ich zog mir etwas über und holte meine Freundin an der Haltestelle ab. Sie brachte einen riesen Koffer mit. Eben alles was man so benötigt, wenn man aus einer Frau eine Braut machen wollte. In der Wohnung angekommen wuselten alle bereits leicht aufgeregt rum. Zu meinem Erstaunen war ich immer noch die Ruhe selbst. Das war zwar angenehm aber trotzdem etwas komisch. Zwischendrin rief ich den Trauzeugen an, er musste meinem zukünftigen Mann etwas überreichen. Ich hatte irgendwo gelesen , dass es durchaus üblich ist, dass die Braut ihren Bräutigam vor der Trauung etwas schenkt. Dann ging alles relativ schnell, Haare und Make up waren fertig, meine Stylistin kümmerte sich noch um meine Schwiegermama und ich holte meinen Berg von Kleid von oben runter. Mein Handy teilte mir mit, dass meine Freunde aus dem Erzgebirge soeben angekommen sind. Also schlüpfte ich schnell in meine Hochzeitsschuhe (ich sollte sie vorher zumindest etwas einlaufen) und lief ihnen so schnell ich konnte entgegen. Die Freude war so unheimlich groß. Wieder in der Wohnung angekommen zog ich meine Unterwäsche an, legte das Kleid auf den Boden, stieg erst in den Unterrock, um dann in das Kleid zu schlüpfen. Es funktionierte. Meine Trauzeugin schloss den Reißverschluss. Die Knöpfe erwiesen sich dann allerdings doch als eine kleine Herausforderung und so ging meine Freundin und Fotografin mit zur Hand. Auf die Schuhsohle wurden unsere Namen geschrieben, es heißt, welche Schrift abends noch zu sehen ist, der hat zu Hause die Hosen an.

 

 

Vollgepackt mit meinem Brautstrauß aus Orchideen und Callas ging es mit meinem kleinen Stofftäschchen zum Auto. Natürlich waren wir da schon 20 Minuten später dran als geplant. Aber trotzdem hatten wir noch genügend Zeit. Und dann führen wir auch schon los. Von Aufregung immer noch keine Spur, ich war einfach nur voller Vorfreude. Immerhin würde ich viele Freunde die ich lang nicht gesehen hatte und Verwandte wieder sehen. Und meinen Prinzen, auf den ich dann dort warten würde. Es war eine schöne Fahrt, am Schillerplatz vorbei übers Blaue Wunder auf die andere Seite der Elbe in Richtung Pillnitz. Ich hoffte, dass alles gut gehen und alle pünktlich sein würden. Mein Handy konnte ich nicht mehr finden, wahrscheinlich saß ich drauf.

 

 

Am Museum angekommen konnte ich schon die ersten Gäste begrüßen. Ich freute mich so. Und alle hatten sich so hübsch gemacht. Ein wunderbarer, sonniger Tag mit all unseren Lieben. Da wir uns auch wirklich erst zur Trauung das erste Mal wieder sehen wollten, brachte mich eine Dame in ein extra Zimmer. Sie schlossen die Fensterläden, damit er nicht rein und ich nicht raus schauen konnte, schließlich sollte ich ihn auch erst zur Trauung sehen. Ich saß da und unterhielt mich mit meinen Freundinnen und dem Klavierspieler, den ich dort erst kennenlernte. Auch er war überrascht, dass ich nicht aus der Ruhe zu bringen war. Aber nicht nur er, auch ich war überrascht. Als die Gäste, die vor uns da waren den Nebenraum verließen und unsere Gäste Platz nehmen konnten wurde es allmählich still. Die Standesbeamtin stellte mir Ihre Fragen, die rechtmäßig vorher gestellt werden müssen und gab mir eine kurze Einweisung. Ich sagte zu ihr, solange sie mir sagt, wann ich was machen muss ist alles gut. Alle im Raum lachten. Nun saß ich allein dort und wartete, mein Kopf war leer, mein Puls immer noch normal. Wenn man da so sitzt kommen einen fünf Minuten wie Stunden vor. Ich freute mich auf den Moment wenn er mich sehen würde. Ich freute mich auf seine Reaktion und auch die der Anderen. Dann bat mich die nette Dame, die mich am Anfang in den Raum begleitet hatte mitzukommen. Mein Papa wartete bereits vor der Tür auf mich, auch er hatte mich vorher nicht gesehen. Und so schauten wir uns einen Moment lang an. Sein Blick sagte einfach alles, und so hätte er nichts sagen müssen. Das können wir gut, Kommunizieren ohne etwas zu sagen. Wir brauchen uns nur anzusehen. Als ich dann mein Lied hörte, welches ich mir von Herzen gewünscht hatte begann mein Herz an zu klopfen, immer schneller. Und Lydia begann zu singen

 

 

Wir waren beide aufgeregt, mein Papa wahrscheinlich noch mehr als ich. Eingehenkelt in den Arm meines Vaters betraten wir den Raum. Mein Blick schwenkte kurz zu unseren Gästen, doch dann sah ich nur noch ihn. Er sah wirklich aus wie ein Prinz, wie mein Prinz. Und ich, ich war seine Prinzessin für diesen einen Tag. Und obwohl wir beide nicht gewusst hatten, wie die Kleidung des anderen aussah, passten wir perfekt zueinander. Als ich sah wie ihm Tränen in die Augen stiegen, konnte auch ich mich nicht mehr halten. Mein Papa übergab mich an meinen Bräutigam und so standen wir da einen Moment lang, der mir wie eine Ewigkeit vorkam. Tränen liefen über unser Gesicht, Tränen der Freude. Er sah so schön aus und schüttelte den Kopf in Richtung meiner Stylistin. Ich glaube er hatte gesagt wir seien völlig verrückt. Wir setzten uns und als das Lied zu Ende war, ging es los. Ich fühlte mich die ganze Zeit wie in Trance, alles war so wunderschön und gleichzeitig unwirklich. Alle waren emotional mitgerissen, kein Auge blieb trocken. Und als wir Uns das Jawort gaben und uns die selbst entworfenen Ringe mit der wohl ungewöhnlichsten Innengravur angesteckt hatten küssten wir uns, ich hörte Lydias Stimme zu und war einfach nur glücklich…

 

 

Selbst den formellen Teil gestaltete die Standesbeamtin so schön, dass es nicht langweilig war. Dann ging es ans unterschreiben. Ich hatte die Unterschrift lange Zeit im Voraus geübt, damit ich mich dort nicht blöd anstelle. Am Ende wurde sie dann doch ganz anders. Aber das war ok. Als wir alle unterschrieben hatten hielt die Beamtin die Schlussrede und gratulierte uns als erstes. Danach wurden wir von jedem beglückwünscht und zu gleich auch begrüßt. Besonders die Weisheit meines Onkels werde ich nie vergessen, denn schon vorher hatten wir es immer so gehandhabt. Er gab uns mit auf dem Weg nie im Streit schlafen zu gehen, denn man weiß nie ob man am nächsten Tag wieder aufwacht. Und so geben wir uns schon seit vielen Jahren einen Kuss und sagen “bis gleich” wenn wir schlafen gehen. Das Gleiche machen wir, wenn wir zur Arbeit gehen…

 

 

Cinderella mit Ihrem Prinzen im Schlossgarten Pillnitz

Für Fotos hatten wir uns gedacht in den nahe gelegenen Schlossgarten zu gehen. Die Karten hatten wir einen Tag vorher gekauft und uns auch um Parkplätze gekümmert. Mittlerweile war es ganz schön warm geworden. Am Parkplatz angekommen hatten meine Schwiegereltern einen kleinen Tisch aufgebaut, es gab Sekt, Wasser, Saft um anzustoßen und sich zu erfrischen. Da wir vorher nichts davon wussten, war die Überraschung groß. Zu meinem Erstaunen war es unter meinem Kleid angenehm kühl. Einige Insekten fühlten sich wohl von dem Weiß angezogen und so sammelte ich kleine Fliegen und Ameisen unter der ersten Schicht von Tüll. Und auch sonst hatte ich nachdem wir uns ins den Schatten der hohen Hecken begeben hatten so ziemlich alles mit geschleppt, was an Grünzeug und Ästen rum lag. Auch das Laufen war nicht gerade einfach mit den ganzen Schichten von Tüll. Letztlich war es aber eher immer der Unterrock auf den ich das eine oder andere Mal drauf trat. Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß.

In den hübsch angerichteten kleinen Gärten mit den weißen Bänken fanden wir allerhand Kulisse in den wunderschönen Bildern entstanden. Zu meiner Verwunderung wollte auch jeder ein Bild mit mir machen. Wir gingen dann noch in einen anderen Bereich um uns noch zu zweit allein ablichten zu lassen. Natürlich zogen wir alle Blicke auf uns. Sonst würde mich das stören, da ich ungern im Mittelpunkt stehe, aber an dem Tag war es mir egal. Ich war einfach nur glücklich.

Da es inzwischen sehr warm war, versuchten wir uns nicht allzu lang Zeit zu lassen. Und so ging es nach kurzer Zeit wieder zu den Autos. Wir fuhren die gleiche Strecke wieder zurück über das Blaue Wunder. Schade war, das kaum ein Auto hupte. Bis uns eine große Menge Motorradfahrer entgegen kamen. Lautstark wurden wir mit hupenden Glückwünschen überschüttet. Alles war perfekt…

 

Ever thine. Ever Mine. Ever Ours.

 

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Liebe Grüße

6 Comments

  • Lydi 12. März 2017 at 20:29

    Achso und für alle die wissen wollen, was Mario zu mir sagte in dem Moment wo Dany den Raum betrat: “Du musstest aber auch übertreiben, ich hab die schönste Braut der Welt” 🙂

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    • Dany 12. März 2017 at 20:56

      Endlich weiß ich es 😉

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  • Lydi 12. März 2017 at 20:23

    Ach meine liebe Dany,
    Immer wenn ich eure Bilder sehe, bin ich überrascht. Nicht weil ich an dem Tag nicht ordentlich hingesehen habe, sondern weil mich Eure Blicke zu einander immer wieder faszinieren. Danke dir für deine lieben Worte in dem Text an mich und meine Arbeit :* ich bin nach wie vor stolz, an diesem Tag bei dir gewesen zu sein ♡ Bis jetzt bist du für mich immer die schönste Braut ♡♡♡

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    • Dany 12. März 2017 at 20:56

      Ich danke dir für Alles! Das du die vielen Nachrichten vorher ertragen hast in denen ich nicht wusste was ich will, für den Tag davor, die vielen Stunden in denen du wahre Wunder geschaffen hast und natürlich für DEN Tag. Du hast mich in die schönste Braut verwandelt und den Moment mit deiner Stimme zu etwas besonderen gemacht!

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  • Anja 12. März 2017 at 7:35

    WOW. Alles einfach nur wunderwunderschön. Du bist schön, dein Kleid ein Traum und der ganze Rest einfach der Wahnsinn! Dabei geben mir andere Hochzeiten sonst eigentlich nix, ist irgendwie nicht so mein Ding. Aber hier bei dir habe ich eben fast geweint. Deine Bilder bringen so viel rüber, ganz ganz toll <3

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    • Dany 12. März 2017 at 20:50

      Liebe Anja, danke für deinen schönen Kommentar – das bedeutet mir sehr viel. Ich konnte Hochzeiten am Anfang auch nichts abgewinnen, vor allem nicht meiner eigenen. Ich hab mich nicht da vorn stehen sehen usw. und dann auf einmal war alles anders. Und es war schön.

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