Warum wir öfter mal wieder richtig heulen sollten

Posted on 3. September 2018 by Dany

Ich bin kein Kind von Traurigkeit, wie man so schön sagt. Ich glaube bis auf wenige Ausnahmen kennt mich jeder nur fröhlich und mit einem Lächeln im Gesicht. Ist das alles nur Fassade?

In meiner Zeit als Teenager habe ich oft Rotz zu Wasser geheult. Der erste Freund. Das erste Mal richtig vermissen. Die erste Trennung. Das erste Mal verabschieden von einem geliebten Menschen. Wenn ich jetzt an diese Zeit zurückdenke, dann muss ich lächeln. Vielleicht, weil ich weiß, dass es später noch viel schlimmere Dinge gab. Oder weil ich jetzt weiß, dass egal wie schlimm einer dieser Momente auch war, er irgendwann vorbei geht. Denn wenn ich eines gelernt habe, dann das es immer weiter geht.

Ist die Quelle versiegt oder warum hat mich so gut wie niemand jemals richtig flennen sehen? Tatsächlich zähle auch ich mich eher zu den Menschen, die lieber mit sich selbst im Tränenmeer versinken. Vor vielen Jahren habe ich vor einem Menschen den ich sehr mag meinen Gefühlen freien Lauf gelassen. Das Ende vom Lied, sie war total überfordert mit der Situation und wusste nicht, wie sie sich verhalten soll. Wie sollte sie auch, immerhin hatte ich vorher in ihrem Beisein nie eine einzige Träne vergossen. Höchstens mal ein paar Freudentränen. Ich selbst fand diesen Moment als sehr unangenehm. Und so kam es, dass ich gelernt habe meine Emotionen unter Kontrolle zu halten.

Mittlerweile würde ich sagen, totaler Schwachsinn. Wenn ich nicht vor meiner besten Freundin heulen kann, vor wem dann sonst? Viele Jahre später können wir das. Wir haben gelernt, was der andere in dem Moment braucht und möchte. Das Schlimme ist nur, dass ich selbst andere Menschen nicht weinen sehen kann ohne selbst eine Träne zu verlieren. Aber auch das ist ok und zeigt nur, wie sehr uns der andere am Herzen liegt.

Mit der Schwangerschaft haben sich meine Sinne noch mehr geschärft. Es gibt Tage, da könnte ich ohne eine Grund zu wissen einfach heulen. Besonders schlimm ist es bei Filmen und Serien geworden. Egal ob Freudentränen oder aus Trauer, sie laufen einfach unaufhaltsam meine Wangen runter. Ein sehr merkwürdiges  Gefühl, wenn man normalerweise seine Gefühle mittlerweile sehr gut unter Kontrolle hatte.

 

Warum Weinen und Gefühlen freien Lauf lassen gesund ist

Das es gesünder ist seine Gefühle nicht zu unterdrückten weiß mittlerweile jeder. Und die meisten kennen das Gefühl, wenn das Fass dann doch mal überläuft. Doch soweit sollten wir es nicht kommen lassen.

Das Unterdrücken von Tränen kann neben Depressionen vor allem zu Magenproblemen führen. Ein typischer Fall von „Wenn die Seele leidet, spricht der Körper“.

  • In dem du dein Gemüt von belastenden Emotionen befreist, stabilisierst du deinen Gefühlshaushalt. Deshalb ist es wichtig über Dinge die dich beschäftigen zu sprechen, sie aufzuschreiben – sie raus zu lassen.
  • Während du vor dem „frei lassen“ deiner Emotionen angespannt bist, wirst du dich danach befreit fühlen. Dein Körper wird zur Ruhe kommen.
  • Emotionen zu zeigen, führt dazu, dass dich der Gegenüber besser versteht und sich in die Situation hineinfühlen kann. Stell dir vor, du würdest etwas total Tolles ohne jegliche Emotionen erzählen. Das ist, als wenn du beim Sex einfach nur daliegen und nichts tun würdest.
  • Durch Weinen reinigst du deine Augen, da Tränenflüssigkeit voller antibakterieller Substanzen ist.
  • Deine Tränendrüsen setzen beim Weinen Glückshormone und beruhigende, sowie schmerzstillende Substanzen frei.
  • Weinen baut Stress ab. Das ist auch der Grund, weshalb viele Menschen in Stresssituationen irgendwann in Tränen ausbrechen um danach wieder konzentriert und lösungsorientiert zu arbeiten.

Also, wenn dir das nächste Mal danach ist zu weinen, unterdrücke die Tränen nicht, sondern gebe ihnen die Chance deinen Körper zu helfen Emotionen abzubauen. Menschen die Tränen zulassen sind viel ausgeglichener und fröhlicher. Unser Körper hat nicht umsonst die Möglichkeit weinen zu können.

Nimm dir gezielt einen Nachmittag oder Abend Zeit, schnapp dir einen Film der bei dir Emotionen auslöst und gebe dich mit einer Packung Taschentücher deinen Gefühlen hin. Danach wirst du wunderbar schlafen und dich am nächsten Tag viel besser fühlen.

Die meisten Menschen kennen mich also nicht deshalb nur fröhlich, weil ich nie weine, sondern weil ich emotional sehr ausgeglichen bin. Wenn mir danach ist zu heulen, dann tue ich das. Wenn es mir unangenehm ist dies in der Öffentlichkeit zu tun, nehme ich mir Zeit das zuhause zu machen. Wenn mich etwas beschäftigt, spreche ich darüber oder schreibe es mir von der Seele. Manchen Menschen hilft es auch einfach mal richtig laut zu schreien. Glaube mir, es gibt nichts Schlimmeres als in einer Depression keinerlei Gefühle mehr raus lassen zu können. Wenn diese wie unter Verschluss ganz tief in deinem Körper sind. Lasse es nicht soweit kommen!

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